Das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma

Im Jahr 1990 wurde das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma mit Unterstützung der Bundesregierung in Heidelberg eingerichtet. Nach umfangreichen Baumaßnahmen konnte das Zentrum und die weltweit erste Dauerausstellung zum nationalsozialistischen Völkermord an dieser Minderheit im März 1997 der Öffentlichkeit übergeben werden. Den Kern der Einrichtung bilden vier Referate mit folgenden Aufgaben:
Das Referat Dokumentation hat die Aufgabe, die 600jährige Geschichte der Sinti und Roma in Deutschland mit dem Schwerpunkt NS-Völkermord zu dokumentieren. Priorität hatten dabei die Interviews mit Überlebenden, die Sammlung ihrer privaten Zeugnissen und Archivrecherchen im In- und Ausland. Zu Ausstellungsprojekten zum Holocaust an der Minderheit arbeitet das Referat eng mit Gedenkstätten und Museen zusammen.
Das Referat Dialog dokumentiert die kulturellen Beiträge der Sinti und Roma u. a. auf den Gebieten Literatur, bildende Kunst und Musik und versucht, vorhandene Klischees überwinden zu helfen. Hierzu werden wissenschaftliche Tagungen und Seminare durchgeführt. Es ist zuständig für die pädagogische Betreuung der ständigen Ausstellung, insbesondere die Führung von Schulklassen.
Das Referat Bildung beschäftigt sich im Bereich Schule mit Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung, Förderprogrammen und Stipendien. Außerdem werden Schulbücher analysiert und Empfehlungen zum Abbau von Vorurteilen ausgesprochen. Weiterer Schwerpunkt ist das Eintreten für die Rechte des deutschen Romanes im Sinne der europäischen Charta für Regional- und Minderheitensprachen. In vielen Sinti-Familien ist das Romanes neben Deutsch die zweite Muttersprache und ein wesentlicher Teil der kulturellen Identität der Minderheit.
Die Beratungsstelle als viertes Referat unterstützt die Überlebenden des Völkermords in Entschädigungsangelegenheiten und führt für sie Gedenkfahrten zu den historischen Stätten der NS-Verbrechen durch.

Filme zum Schwerpunkt "Ausgrenzung und Verfolgung von Sinti und Roma"

"Das falsche Wort" - Wiedergutmachung an Zigeunern (Sinte) in Deutschland. Von Melanie Spitta und Katrin Seybold (1987, 83 Min.) In diesem Film wird zum ersten Mal zusammenhängend über Verfolgung der deutschen "Zigeuner" während des Nationalsozialismus aus der Sicht der Sinti erzählt.

"Es ging Tag und Nacht liebes Kind" - Zigeuner (Sinti) in Auschwitz. Von Katrin Seybold und Melanie Spitta (1981, 74 Min.) Das Filmteam begleitet Sinti, die das Konzentrationslager überlebt haben, bei einem Besuch in der Gedenkstätte Auschwitz und lässt sie selbst mit ihren Berichten zu Wort kommen. Bezug: Katrin Seybold Film GmbH, Adalbertstr. 28, 80799 München, Tel.: 089 - 34 86 19 od. 33 18 78, Fax: 089 - 33 39 02.

"Ceija Stojka - Portrait einer Romni" - Ein Dokumentarfilm von Karin Berger. (87 Min.) Der Film ist das Portrait einer Frau, das viele Facetten ihrer Persönlichkeit zum Ausdruck bringt und gleichzeitig eine Biographie rekonstruiert, die zahlreiche kollektive Erfahrungen der Roma und Sinti in sich birgt. Vertrieb und Verleih: Ventura Film GmbH, Boxhagener Str. 18, 10245 Berlin, Tel. 030-283 60 30; Fax: 283 65 33, Email: ventura.film@snafu.de, www.ventura-film.de. Als Video bei Absolut Medien, Tel. 030-285 39 87-26

Sophie Wittich: "Aber man kann des gar net so sagen, wie's wirklich war..." (1993, 30 Min.) Die Sintezza Sophie Wittich berichtet über ihre Haft in Auschwitz und Ravensbrück und ihre Zwangssterilisation in Ravensbrück. Bezug: Loretta Walz-Videoproduktion, Südendstr. 13, 12169 Berlin, Tel.: 030 - 79 70 27 53, Fax: -55.

"Auf Wiedersehen im Himmel" - Die Sinti-Kinder von der St. Josefspflege (1994, 40 Minuten). Die Mulfinger Sinti-Kinder blieben solange von Himmlers Auschwitz-Erlass ausgenommen, bis Eva Justin, die leitende Mitarbeiterin des 'Rassehygieneinstituts', ihre Doktorarbeit beendet hatte. Am 2. August 1944 wurden die Kinder aus dem katholischen Kinderheim direkt nach Auschwitz deportiert. Bezug: Landesfilmdienst Bayern für Jugend- und Erwachsenenbildung e. V., Dietlindenstr. 18, D-80802 München oder Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, Tel. 06221 - 98 11 02

Weitere Filme siehe: www.sinti-und-roma-informationen.de






Sinti und Roma in Deutschland

Seit Jahrhunderten leben Sinti und Roma in Europa. In den einzelnen Ländern bilden sie alteingesessene und historisch gewachsene Minderheiten. In Deutschland sind Sinti und Roma seit 600 Jahren beheimatet. Die heute hier lebenden 70.000 deutschen Sinti und Roma sind eine nationale Minderheit und Bürger dieses Staates. In ihren Familien verwenden sie neben Deutsch ihre eigene Minderheitensprache Romanes.
"Zigeuner" ist eine in ihren Ursprüngen bis ins Mittelalter zurückreichende Fremdbezeichnung durch die Mehrheitsbevölkerung und wird von der Minderheit selbst als diskriminierend abgelehnt. An ihre Stelle ist der authentische Eigenname "Sinti und Roma" getreten. Dabei bezeichnet "Sinti" die in Mitteleuropa seit dem Spätmittelalter beheimateten Angehörigen der Minderheit, "Roma" diejenigen südosteuropäischer Herkunft. Außerhalb des deutschen Sprachkreises wird Roma auch als Sammelname für die gesamte Minderheit verwendet. Wird im Kontext historischer Quellen die Bezeichnung "Zigeuner" benutzt, so müssen die hinter diesem Begriff stehenden Klischees und Vorurteile stets mit bedacht werden.
Ende des 18. Jahrhunderts wurde anhand sprachwissenschaftlicher Untersuchungen die Herkunft der Sinti und Roma aus Indien durch die Verwandtschaft des Romanes mit der altindischen Hochsprache Sanskrit nachgewiesen. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich in den jeweiligen Heimatländern der Sinti und Roma eigene Romanes-Sprachen, so auch im Fall der deutschen Sinti. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts wurden Sinti und Roma in fast allen europäischen Ländern urkundlich erwähnt; in Deutschland erstmals in Hildesheim im Jahre 1407. Quellen zahlreicher weiterer deutscher Städte bezeugen in der Folgezeit die Anwesenheit der Minderheit. Anfangs standen Sinti und Roma unter dem Schutz der deutschen Könige und Landesfürsten, die ihnen so genannte "Schutzbriefe" ausstellten. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts jedoch, als die spätmittelalterliche Gesellschaft an der Schwelle zur frühen Neuzeit eine Phase des politischen und sozialen Umbruchs erlebte, wurden Sinti und Roma zunehmend unterdrückt und verfolgt. Die Zünfte untersagten ihnen die Ausübung von Handwerksberufen, aus zahlreichen Gebieten wurden sie vertrieben. Dabei wies der Antiziganismus wie der Antisemitismus von Anfang an religiöse Aspekte auf, indem man "Zigeuner" als Heiden oder gar als Verbündete des Teufels stigmatisierte. Wie die Juden wurden auch die Sinti und Roma immer wieder zu Sündenböcken für alle möglichen Missstände gemacht.Allerdings vermitteln die überlieferten Akten, in denen Sinti und Roma lediglich als Objekte staatlicher Maßnahmen erscheinen, ein einseitiges und verzerrtes Bild. Denn parallel zur Politik der Ausgrenzung hat es vor allem auf lokaler und regionaler Ebene vielfältige Formen eines normalen und friedlichen Zusammenlebens von Minderheit und Mehrheitsbevölkerung gegeben.
Die Lebenswirklichkeit der Sinti und Roma muss grundsätzlich von den antiziganistischen Klischees unterschieden werden, die seit Jahrhunderten im kollektiven Bewusstsein der Mehrheitsgesellschaft verwurzelt sind und die auch die Nationalsozialisten für ihre Zwecke benutzten. Entgegen den Zerrbildern der NS-Propaganda waren Sinti und Roma vor 1933 als Nachbarn und Arbeitskollegen in das gesellschaftliche Leben integriert. Viele hat-ten im Ersten Weltkrieg in der kaiserlichen Armee gedient und hohe Auszeichnungen erhalten.
Mit Beginn der NS-Herrschaft wurde diese Normalität des Zusammenlebens systematisch zerstört. Auf der Grundlage der NS-Rassenideologie wurden Sinti und Roma schrittweise entrechtet und ausgegrenzt, ihrer Lebensgrundlage beraubt, von Rasseforschern des Reichssicherheitshauptamtes systematisch erfasst und schließlich in die Vernichtungslager deportiert. Sinti und Roma wurden Opfer von Zwangsarbeit, medizinischen Experimenten, Massenerschießungen und Massenvergasungen.
Die mit der "Rasse" begründete Politik der "Endlösung" unterschied sich in radikaler Weise von allen vorangegangenen Formen der Verfolgung und kann keinesfalls in der bloßen Kontinuität staatlicher "Zigeunerpolitik" betrachtet werden. Vielmehr stellte der Holocaust an den Sinti und Roma einen fundamentalen Einschnitt in der jahrhundertealten gemeinsamen Geschichte von Minderheit und Mehrheitsgesellschaft dar. Zugleich bedeutete er einen Bruch mit den tradierten Formen politischen Denkens und Handelns. Ziel der vom NS-Staat organisierten Mordpolitik war die vollständige Vernichtung der Minderheit vom Säugling bis zum Greis. Die Realisierung des Völkermords an den Sinti und Roma war nur möglich im Kontext der NS-Rassenideologie und unter den Bedingungen totalitärer Herrschaft sowie der Gewaltentfesselung im Zweiten Weltkrieg. Nach Schätzungen fielen im nationalsozialistisch besetzten Europa 500.000 Sinti und Roma dem Holocaust zum Opfer - einem Verbrechen, das sich jedem historischen Vergleich entzieht und das in seinem Ausmaß unvorstell-bar bleibt. Der historische Bruch des Holocaust hat sich tief in das kollektive Gedächtnis der Minderheit eingegraben und wird die Identität auch künftiger Generationen prägen.

Silvio Peritore

Mitarabeiter im Referat "Dokumentation" des Dokumentations- und Kulturzentrum deutscher Sinti und Roma in Heidelberg





Sinti und Roma in Ravensbrück

Ab Juni 1939: Auf Befehl Himmlers Deportation österreichischer Sinti und Roma aus dem Burgenland in die Konzentrationslager Dachau und Ravensbrück.
Am 29. Juni 1939 Einlieferung von 440 Sinti-Frauen und der ersten Kinder in das am
15. Mai desselben Jahres eröffnete Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. In den fragmentarischen Zugangslisten finden sich zwischen 1938/39 und 1945 insgesamt 881 Kinder, davon 162 Sinti- und Roma-Kinder.
Bis zum Frühjahr 1940 befanden sich bereits mind. 541 "Zigeunerinnen" in Ravensbrück. Nicht alle nach Ravensbrück deportierten "Zigeunerinnen" wurden als solche registriert.
Im Männerlager, das im März und April 1941 neben dem Frauenlager errichtet wurde, waren ebenfalls Sinti und Roma inhaftiert.
Die in den Jahren 1939/40 eingelieferten Sinti- und Roma-Frauen mussten vor allem Zwangsarbeit in den Ravensbrücker SS-Betrieben leisten; in der Rohrmattenflechterei arbeiteten fast ausschließlich Frauen der Sinti und Roma.
Ab Frühjahr 1942 "Überstellung" der meisten in Ravensbrück inhaftierten Sinti- und Roma-Frauen an Rüstungsbetriebe zur Zwangsarbeit.
Ende 1943 Erster größerer Transport mit "Zigeunerkindern"
April/Mai/Anfang August 1944 Nach der Liquidierung des "Zigeunerlagers" in Auschwitz-Birkenau wurden auf drei Transporten 1.107 Sinti- und Roma-Frauen von Auschwitz nach Ravensbrück deportiert. Nach der Quarantäne Zwangsarbeit in Rüstungsbetrieben
Von Mai 1940 bis Dezember 1941 Zwangsterilisationen an 9-11jährigen Sinti- und Roma-Kindern durch Dr. Sonntag
Ab März 1941 Sterilisierungs- und Kastrationsversuche mit Röntgenstrahlen an Sinti und Roma in Auschwitz und Zwangssterilisationen in Ravensbrück durch Dr. Horst Schumann
Frühjahr 1945 Prof. Dr. Clauberg führte in Ravensbrück innerhalb von 4 Tagen an etwa 140 Sinti- und Roma-Frauen Zwangssterilisationen durch. Ohne Betäubung wurde den Frauen und Mädchen Formaldehyd in den Unterleib eingespritzt. Einigen Frauen wurde die Zustimmung zu diesem Eingriff abgepresst und die Freilassung für den Fall versprochen, dass sie ihrer Unfruchtbarmachung oder der ihrer Kinder zustimmen. Das Versprechen war eine Lüge.
Ab Januar 1945 Zwangssterilisationen an Männern und Frauen der Sinti und Roma durch SS-Arzt Dr. Lukas
März 1945 Transport von 1.981 Frauen aus Ravensbrück nach Mauthausen. Unter ihnen waren 450 Sinti und Roma mit 182 Säuglingen und Kleinkindern, die nach der Ankunft von der SS sofort erschlagen wurden.

gv/sh

(aus: Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma, Romani Rose (Hg.), Heidelberg, 1995; Kinder und Jugendliche als Opfer des Holocaust, Edgar Bamberger, Annegret Ehmann (Hg.), Heidelberg, 1997)





Chronologie des Völkermords

1931 Beginn der Erhebung über die beiden "außereuropäischen Fremdrassen" in Deutschland (Juden und "Zigeuner") durch die "NS-Auskunftei" des "SD des Reichsführers SS" in München.
14. Juli 1933 "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses": Die Sterilisierung verschiedener Bevölkerungsgruppen, "insbesondere der Zigeuner", wird angeordnet.
1935/36 Die "Nürnberger Rasse-Gesetze" stellen Sinti und Roma den Juden gleich ("Ehegesundheitsgesetz", "Blutschutzgesetz", "Reichsbürgergesetz")
seit 1935 In zahlreichen Gemeinden Einrichtung kommunaler, oft mit Stacheldraht umgebener Sammellager für "Zigeuner"
Juni/Juli 1936 Etwa 400 Sinti und Roma werden im KZ Dachau interniert.
Juli/August 1936 Vor den Olympischen Spielen werden etwa 600 Berliner Sinti und Roma in das Zwangslager Marzahn verschleppt.
November 1936 Einrichtung des "Rassehygieneinstituts", Leitung Dr. Robert Ritter, im Reichsinnenministerium in Berlin. Das Institut erstellt bis Ende 1944 rund 24.000 "Rasse-Gutachten".
1937/1938 Aufbau einer "Reichszentrale zur Bekämpfung des Zigeunerunwesens" im Reichskriminalpolizeiamt (RKPA).
1937/1938 Berufsverbot für Selbständige und Beamte. Auflagen der "Rassensondersteuer" bei der Lohnsteuer
April 1938 Aktion "Arbeitsscheu Reich": Großrazzien im gesamten Deutschen Reich, Deportation der sog. "Arbeitsscheuen", darunter zahlreiche "Zigeuner", nach Buchenwald.
12.-18. Juni 1938 Verstärkte Deportation (ca. 2.000 deutsche und österreichische Sinti und Roma) in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald, Sachsenhausen, später auch nach Mauthausen.
1. Oktober 1938 Übernahme der NS-"Zigeunerpolizeistelle" München in das Reichskriminalpolizeiamt unter der Leitung von SS-Oberführer Arthur Nebe. Die Deportation der Juden und "Zigeuner" führt Adolf Eichmann im Amt IV, B4 durch. Die Gestapo zieht das bei den Deportationen geraubte Vermögen der Sinti und Roma ein.
8. Dezember 1938 Himmlers Runderlass "Bekämpfung der Zigeunerplage": Es sei "die Regelung der Zigeunerfrage aus dem Wesen der Rasse heraus in Angriff zu nehmen".
17. Oktober 1939 Himmlers "Festschreibungserlaß": Verbot für "Zigeuner" im Reich, ihren Wohn- oder Aufenthaltsort zu verlassen - Die dem Reichssicherheitshauptamt unterstellten 21 "Zigeunerleitstellen" von Königsberg, Prag, Wien, München bis Hamburg haben KZ-ähnliche Sammelstellen zur Vorbereitung der Abtransporte in die Vernichtungslager einzurichten.
Januar/Februar 1940 Erste Massenmordaktionen des Holocausts: 250 Roma-Kinder aus Brno (Brünn) werden im KZ Buchenwald bei einem "Test" der Wirkung des Zyklon B-Gases ermordet.
27. April 1940 Himmlers Anordnung zur ersten Deportation ganzer Familien. Die Deportationszüge mit 2.800 deutschen Sinti und Roma in das "Generalgouvernement" gehen im Mai von Hamburg, Köln und Hohenasperg bei Stuttgart ab.
November 1940 Einrichtung des "Zigeunerlagers" KZ Lackenbach südlich von Wien.
Sommer 1941 Beginn der SS-Einsatzgruppenmorde in der besetzten UdSSR, die sich auch gegen "Zigeuner" richteten, von Wehrmacht und ziviler Okkupationsverwaltung aktiv unterstützt.
November 1941 Deportation von 5.000 österreichischen "Zigeunern" ins Ghetto Lodz; etwa die Hälfte der Deportierten aus dem KZ Lackenbach.
Herbst 1941-1944 Ermordung von polnischen "Zigeunern" durch deutsche Polizeieinheiten und in Ghettos und Lagern.
Januar 1942 5.000 burgenländische Roma aus dem Ghetto von Lódz werden im Vernichtungslager Kulmhof in Vergasungswagen ermordet. Alle ostpreußischen Sinti- und Roma-Familien, meist Bauern mit Höfen und Vieh, werden in das KZ Bialystok und von dort 1943 nach Auschwitz deportiert.
29. August 1942 Deutsche Militärverwaltung meldet: Ganz Serbien unter deutscher Besatzung gilt als "juden- und zigeunerfrei"
18. September 1942 Das Programm des Reichsführers SS zur "Vernichtung durch Arbeit" betrifft neben Juden, Russen, Ukrainern und anderen auch die "Zigeuner".
16. Dezember 1942 Himmlers "Auschwitz-Erlaß" für die Deportation von 22.000 Sinti und Roma aus Europa, davon die letzten 10.000 aus dem Reichsgebiet, in den als "Zigeunerlager" bezeichneten Abschnitt des KZ Auschwitz-Birkenau ab März 1943.
ab März 1943 Monatliche "Zigeunertransporte" nach Auschwitz, aus allen von den Deutschen besetzten Gebieten Europas.
Mai 1943 Dr. Josef Mengele wird SS-Lagerarzt von Auschwitz. Selektionen, Fortsetzung der "Zwillingsforschung" an jüdischen und Sinti-Kindern.
Herbst 1943-1945 Verstärkte Zwangssterilisationen von Sinti und Roma im 'Deutschen Reich'.
2./3. August 1944 'Liquidierung' des "Zigeunerlagers" in Auschwitz-Birkenau. Von den im Juli 1944 noch lebenden 6.000 Sinti und Roma werden 3.000 in andere Konzentrationslager deportiert, die anderen 3.000 in der Nacht auf den 3. August ermordet.
Mai 1945 Die Zahl der in Europa bis Kriegsende in Konzentrationslagern und von SS-Einsatzgruppen ermordeten Roma und Sinti wird auf ca. 500.000 geschätzt. Von den durch die Nationalsozialisten erfassten 40.000 deutschen und österreichischen Sinti und Roma wurden über 25.000 ermordet.

Gerhild Vollherbst

(aus: Rose, R. /Weiss, W.: Sinti und Roma im "Dritten Reich", Göttingen 1991, Bastian, T.: Sinti und Roma im Dritten Reich. München 2001, und www.sinti-und-roma-informationen.de)





"Solange es Roma gibt, werden sie singen"

Ceija Stojka - ein Portrait vom Kieler FrauenLesben Arbeitskreis

Aus einem Gespräch zwischen Ceija Stojka und Karin Berger, aus: "Reisende auf dieser Welt":
"Ich weiß nicht, wer das komponiert hat, "Lustig ist das Zigeunerleben". Mir gefällt es nicht, wenn sie das singen. Was ist da lustig? Für den, der kein Rom ist, ist das lustig. Aber für mich, die ich dieses Leben habe führen müssen, für mich ist es nicht lustig... Dieses Lied hat sicher kein Rom geschrieben. "Brauch dem Kaiser kein Zins zu zahlen..." Also der Kaiser hat sicher keinen Zins gewollt, und gezahlt haben wir auch keinen, aber wenn es darauf angekommen ist, haben wir auch bei den Bauern für die Übernachtung gezahlt. Der Rom hat immer Geld gehabt, weil er mit Pferden gehandelt hat. Und nachdem die Männer von einem Ort zum anderen gefahren sind, sind das nicht Menschen gewesen, die im Wirtshaus gehockt sind. Die haben ihr Geld zusammengehalten und verwaltet... Wie ich aber etwas größer war, habe ich mir gewünscht, einen festen Raum zu haben. Dann kann ich rausfahren, wann ich will, aber ich muss nicht. Immer wieder war es traurig für mich, wenn wir von unserem Winterquartier weg mussten... Immer habe ich mich geärgert, wenn sie dieses Lied gesungen haben. Lustig ist es, solange alles funktioniert. Man hat einen wunderschönen Wagen mit vier gesunden Reifen und zwei gute Pferde mit acht gesunden Haxen. Man hat monatelang wunderbares Wetter, und die Menschen kommen einem freundlich entgegen. Sie lachen, wenn sie einen sehen. Hätte ich aber wählen können, dann hätte ich mir ausgesucht, ein normales Leben zu führen. Für mich wäre es schön gewesen, alle Verwandten um mich zu haben und brav in die Schule zu gehen. So hätte ich etwas Anständiges gelernt und wäre nicht gezwungen gewesen, hausieren zu gehen..."

Geboren wurde Ceija Stojka am 23. Mai 1933 in der Steiermark in Österreich als jüngste Tochter von sieben Geschwistern. Die Familie, die zum Stamm der Lowara, der Pferdehändler, gehört, ist bis 1939 mit Pferd und Wagen unterwegs. Ab 1939 tritt ein Reiseverbot für alle Sinti und Roma in Kraft. Seit 1940 zunehmende Bedrohung - die Familie geht zu guten Bekannten nach Wien. 1940 wird Ceija eingeschult. 1941 wird der Vater von der Gestapo verhaftet und in das KZ Dachau deportiert. Der Wagen ihrer Familie wird eingezäunt, keine/r darf sich außerhalb der Umzäunung aufhalten - wegen des Schulverbots darf Ceija die Schule nicht mehr besuchen. Es folgen Großrazzien der SS und Kati, eine Schwester Ceijas, wird verhaftet. 1943 erhält die Familie Nachricht von der Ermordung des Vaters im KZ Dachau. Es folgt die Verhaftung der Familie durch die Gestapo, und die Deportation nach Auschwitz-Birkenau, in das sogenannte "Zigeunerlager". Ceija Stojka erhält die Nummer Z 6399. Ossi, der jüngere Bruder, stirbt in Auschwitz-Birkenau an Typhus. Ceija überlebt mehrere Selektionen, weil sie sich als älter ausgibt, als sie ist und gilt somit als arbeitsfähig. Es folgt eine weitere Verlegung in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. 1944 entgeht sie wegen eines Stromausfalls der Sterilisation. Die Mutter, Kati und Ceija "flüchten" vor der sicheren Ermordung mit einem Häftlingstransport in das Konzentrationslager Bergen-Belsen. Als 12jähriges Mädchen wird sie im Mai 1945 in Bergen-Belsen befreit.
1945 kehrt sie aus dem KZ nach Wien zurück. Hier findet sie die Überlebenden ihrer Familie wieder. Sie wohnen mehrere Monate in einer Wohnung von geflohenen Nazis - bis diese die Wohnung zurückfordern. Ceija geht in dieser Zeit für wenige Monate auf eigene Initiative hin in die Schule. Nach mehreren Wohnungswechseln ist Ceija mit ihrer Familie gezwungen, ab April 1947 wieder auf Reisen zu gehen, um den Lebensunterhalt der Familie sichern zu können. 1949 wird der Sohn Hojda geboren, 1951 die Tochter Silvia, 1955 kommt der jüngste Sohn Jano zur Welt. 1949 beendet sie die Tradition des Reisens mit Pferd und Wagen mit dem Kauf eines feststehenden Wohnwagens in Wien. 1957 beginnt Ceija mit dem Verkauf von Teppichen, sie erwirbt das Diplom der Marktfahrerinnen und erhält einen Gewerbeschein.
November 1979 Tod von Sohn Jano.
1988 beginnt sie zu malen, es erscheint ihr erstes Buch "Wir leben im Verborgenen", damit nicht verloren geht, was "Zigeuner" erlitten haben, und wie sie leben und lebten. 1992 erscheint das zweite Buch "Reisende auf dieser Welt". 1999 entstand der Kinofilm "Ceija Stojka - Porträt einer Romni". Es folgen eine Reihe von Auftritten, Lesungen und Ausstellungen im In- und Ausland. 2000 veröffentlicht Ceija ihre CD "Me Dikhlem Suno". Ceija Stojka erhielt eine Reihe von Auszeichnungen, u.a. das österreichische Bundesverdienstkreuz und den "Josef-Felder-Preis".
Es ist Ceija ein Anliegen, mit ihren Texten, Liedern, Bildern und Büchern die Kultur und Geschichte der "Zigeuner" lebendig zu halten.
Ceija Stojka ist eine wichtige Vermittlerin im Dialog zwischen Sinti und Roma und den Gadje, den "Nicht-ZigeunerInnen". Die Geschichte des Nationalsozialismus soll sich nicht wiederholen.


Die Waage erschuf der Mensch.
Sie zeigt die Gerechtigkeit.
Die Mehrheit und die Wenigerheit.
Und warum
Bezeichnet man uns Rom und Sinti
Dann als Minderheit?
Schaut doch, was die Waage zeigt
Oder ist sie von euch geeicht,
Damit ihr sagen könnt: wir sind
Die Mehrheit
Und ihr die Minderheit?
De awen Bachtale .
(Ceija Stojka)




Ravensbrück 1995

Wir streuten bunte Blumen
Ceija und Nuna

Ravensbrück Frauenlager

Außerhalb des Lagers
ist die Erschießungsstelle
und das Krematorium
Die Asche von unseren
Toten
wurde in den See
geschüttet
Heute erst 1995
weiß ich
warum es im Lager
damals 1944 so kalt
gewesen ist

Und es wird geangelt
für mich ist es unfassbar
dass die da lebenden Menschen
von heute
die Fische aus diesem
See sich holen
Dort wo unsere Seelen
in Asche ruhten

(Ceija Stojka)





"Mein Leben ist geprägt von den Erfahrungen, die mein Vater gemacht hat"

Ein Gespräch mit Petra Rosenberg, der Geschäftsführerin des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma in Berlin-Brandenburg

Das Büro des Landesverbandes ist klein und unrepräsentativ. Auf eine Art spiegelt es das Verhältnis der deutschen Mehrheitsgesellschaft zu dieser kleinen Minderheit. Finanziert vom Berliner Senat bedeutet es für Petra Rosenberg, der Geschäftsführerin des Landesverbandes, wie andere öffentlich geförderte Projekte auch, jedes Jahr aufs neue um die Weiterfinanzierung zu bangen. Otto Rosenberg, ihr Vater, war Mitbegründer des Verbandes Anfang der 80er Jahre und der langjährige Vorsitzende. Einer der viel bewegt hat und nie den Kopf eingezogen hat, so charakterisiert ihn seine Tochter. Nun ist sie in die Fußstapfen ihres - vor einem Jahr verstorbenen - Vaters getreten. Fußstapfen, die sie durchaus zu füllen vermag. Die Minderheit, die sie vertritt ist zwar eine quantitativ kleine, aber die Widerstände und Ressentiments der deutschen Mehrheitsgesellschaft sind dafür umso größer und beständiger.
In der Bundesrepublik leben nach Schätzungen der Gesellschaft für bedrohte Völker etwa 60.000 - 70.000 deutsche Sinti und etwa 40.000 deutsche Roma. 2/3 der deutschen Mehrheitsgesellschaft wollen - so neue Umfragen - keine Sinti und Roma zum Nachbarn haben. Entgegen vieler Vermutungen sind 99% der deutschen Sinti inzwischen sesshaft. Verschmitzt ergänzt Frau Rosenberg "ich weiß nicht, ob derzeit jemand obdachlos ist". Gerade nach der Wende war ein neuer Aufschwung von Ressentiments zu spüren. Die Migrantinnen und Migranten aus Südosteuropa bedienen fast schon klischeehaft die "Zigeunerbilder" der deutschen Mehrheitsgesellschaft: Bunte Kopftücher, wahrsagende Frauen.
Die energische Diplompädagogin unterstützt "ihre Leute" in den unterschiedlichsten Bereichen des täglichen Lebens. Gerade jetzt beschäftigt sie ganz besonders die Entschädigungszahlungen für die NS-Zwangsarbeit. "Bisher haben drei oder vier Personen Entschädigung erhalten". Sie befürchtet, dass viele sterben, bevor sie die Zahlungen erhalten.
Das tägliche Leben der Sinti und Roma ist geprägt von Vorurteilen, die oft die Kinder in der Schule treffen. Äußerungen wie "es braucht mehr im Leben, als Gitarre zu spielen" sind nach wie vor keine Seltenheit; hier schaltet sich Frau Rosenberg als Vermittlerin ein.
Petra Rosenberg ist davon überzeugt, dass einer der Zugänge zur "Mitte der Gesellschaft" Bildung heißt. Deshalb liegt ihr dieses Thema besonders am Herzen. Vehement verwahrt sie sich gegen romantisierende Tendenzen, die den "Alphabetismus als kulturelle Eigenheit" wahrnehmen. Gerade dadurch würden Roma und Sinti im Abseits festgenagelt werden.
Die Erfahrung der nationalsozialistischen Ausgrenzung und Verfolgung wirft auch jetzt noch lange Schatten auf die Gemeinde. Vielen ist es nicht gelungen, so die Vorsitzende, im Nachkriegsdeutschland Fuß zu fassen. Ein Grund dafür ist sicherlich im Wegfall der traditionellen Berufe zu sehen. Doch das allein als Begründung reicht nicht aus. Die von den Nationalsozialisten praktizierte Segregierung, Verfolgung und Vernichtung wurde im Nachkriegsdeutschland von vielen nicht als Unrecht wahrgenommen. Die Eröffnungszeilen in einem Kommentar zum Bundesentschädigungsgesetz 1955 spiegeln die Stimmung in der deutschen Nachkriegsgesellschaft:" Die Zigeuner wurden seit jeher von den westlichen Kulturvölkern als Landplage empfunden(...)".
Das ist sicherlich auch einer der Gründe, weshalb die Haftzeit derjenigen Sinti, die im "Zigeunerlager" Berlin-Mahrzahn inhaftiert waren, herunter gespielt wurde und das Lager teilweise als "Zigeunercampingplatz" verharmlost wurde.
1936 - vor der Olympiade - richteten die nationalsozialistischen Behörden das sogenannte "Zigeunerlager" in Berlin-Mahrzahn ein. Die hierher verschleppten Sinti und Roma lebten in katastrophalen Verhältnissen. Auch die sesshaft lebenden Sinti wurden von dieser Inhaftierung durch die Nazis nicht verschont. 1943, nach dem Auschwitz Erlass, wurden fast alle Sinti nach Auschwitz-Birkenau deportiert und dort umgebracht.
Nach dem Krieg wurden die Insassen des Lagers Berlin-Mahrzahn nicht als Verfolgte anerkannt. Das Lager sei kein Konzentrationslager gewesen und die dorthin verschleppten Menschen nicht rassisch Verfolgte, lautete die Begründung der zuständigen Behörden. Erst 1987 gelang es Otto Rosenberg gemeinsam mit Wolfgang Wippermann, dass die Sinti und Roma, die in Mahrzahn inhaftiert waren, als rassisch Verfolgte anerkannt wurden.
In Mahrzahn findet jährlich die Gedenkfeier des Landesverbandes für die ermordeten Berliner Sinti und Roma statt. Das Mahnmal für die ermordeten Sinti und Roma soll aber in der Nähe des Reichstages gebaut werden, nicht am Rande der Stadt. Die geographische Lage der Orte der Deutschen Sinti und Roma sagt viel über ihren Stellenwert innerhalb der deutschen Gesellschaft aus. Mit der Entscheidung, das Mahnmal nicht am Rande der Stadt, sondern in ihrem Herz zu errichten, könnte ein Signal gesetzt werden.

Veronika Springmann

Otto Rosenberg, Das Brennglas. Aufgezeichnet von Ulrich Enzensberger, Frankfurt am Main, 1998 (Eichborn Verlag).





Unbehelligte Täter - unentschädigte Opfer

Statt Entschädigung und Anerkennung ihrer Verfolgung haben Roma und Sinti in Deutschland nach 1945 weitere Stigmatisierung und Entrechtung erfahren. Dabei trafen sie - beispielsweise bei Schadenersatzprozessen - zum Teil auf Gutachter, die während des Nationalsozialismus für ihre Verschleppung in Konzentrationslager verantwortlich waren. Zwei tragende Figuren in diesem Zusammenhang waren Robert Ritter (1901-1951), vor 1945 Leiter der rassehygienischen Forschungsstelle in Berlin, und seine Assistentin Eva Justin (1909-1966). Eine verheerende personelle und inhaltliche Kontinuität gab es aber auch bei der Polizei.
Der Nervenarzt Ritter und die Psychologin Justin waren im "Rassehygieneinstitut" für die "Erfassung und Sichtung aller Zigeuner und Zigeunermischlinge" zuständig. Ihre pseudowissenschaftlichen Gutachten boten die Basis für die Ermordung Tausender in den Vernichtungslagern: Daten von mehr als 25 000 deutschen Roma und Sinti hatte ihr Institut gesammelt. Dies ging nur, weil es eine reibungslose Zusammenarbeit mit Fürsorge- und Gesundheitsämtern, den Pfarrämtern und der Kriminalpolizei gab, berichtet die Roma-Union. Bis 1942 überführte das "Ritter-Institut", mittlerweile dem Reichssicherheitshauptamt angeschlossen, mehr als 30.000 Akten an Gestapo und Polizei, wo sie zum "Leitfaden" des Völkermordes wurden. Die Psychologin Justin schrieb ihre Doktorarbeit über Sinti-Kinder. Nach Abschluss ihrer Arbeit wurden bis auf drei Kinder alle in Auschwitz ermordet.
Ritter und Justin führten im Jugend-KZ Uckermark "erb- und kriminalbiologische" Untersuchungen an Häftlingen durch. Diese waren für zahlreiche Zwangssterilisierungen sowie für Deportationen in die Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz, Ravensbrück, Dachau, Sachsenhausen und Buchenwald verantwortlich.
Die beiden Forscher wurden nach dem Krieg nicht zur Verantwortung gezogen. Im Gegenteil - sie setzten ihre Karrieren fort, obwohl ihre früheren Funktionen bekannt waren. Ritter war ab 1947 Amtsarzt der Stadt Frankfurt am Main, Justin wurde leitende Kriminalpsychologin beim Jugendgesundheitsamt dieser Stadt. Zum Nachteil betroffener Sinti und Roma wurde Ritter in Entschädigungsverfahren nach 1945 als Gutachter engagiert.
Unbehelligt blieben auch die "Fachkräfte" der Polizei. Den behördlichen Umgang mit Angehörigen der Minderheit übernahmen viele Beamte, die schon im Reichssicherheitshauptamt ihre Erfahrungen bei der Zigeunerverfolgung gesammelt hatten. Die Dienststelle für "Landfahrer" in München, vor 1945 für die Deportation bayerischer Sinti und Roma zuständig, setzte ihre Arbeit einfach fort und benutzte bis in die 60er Jahre Akten des "Ritter-Instituts". 1962 erschien ein offizieller "Leitfaden für Kriminalbeamte", in dem Sinti und Roma nach wie vor "eine ausgeprägte Arbeitsscheu" unterstellt wird.
Verfolgung und Ermordung von Sinti und Roma wurden in der bundesrepublikanischen Nachkriegsgesellschaft geleugnet oder als "kriminalpräventive Maßnahme" gegen als "asozial" bezeichnete "Zigeuner" dargestellt. Wiedergutmachungszahlungen wurden ihnen zum größten Teil vorenthalten. Ausgebürgert, ihrer sozialen und ökonomischen Existenz beraubt, von den grauenhaften Erfahrungen in den Lagern traumatisiert, kehrten die Überlebenden in ihre Heimat zurück. Dort erfuhren sie die anhaltende Wirksamkeit antiziganistischer Vorurteile und eine Ausgrenzungspolitik, die weiterhin auf der NS-Rasseideologie beruhte. So begründete der Bundesgerichtshof am 7. Januar 1956 die Ablehnung von Entschädigungen für Sinti und Roma damit, dass sie nicht "aus Gründen der Rasse", sondern aufgrund ihrer "asozialen Eigenschaften" verfolgt worden seien.
Das Bundesentschädigungsgesetz schloss Roma und Sinti in mehrerlei Hinsicht von Entschädigungsansprüchen aus: Nur diejenigen Personen, die ihren Wohnsitz im Gebiet des früheren Deutschen Reichs gehabt oder zumindest zum "deutschen Sprach- und Kulturkreis" gehört hatten, und aus Gründen der politischen Überzeugung, des Glaubens oder der Rasse verfolgt worden waren, waren anspruchsberechtigt. Diese Voraussetzungen wurden den Roma und Sinti rundweg abgesprochen - auch wenn diese zum Teil deutsche StaatsbürgerInnen (gewesen) waren und/oder sich seit Generationen auf deutschem Gebiet niedergelassen hatten.
Die rassenideologische Begründung des Völkermords an Roma und Sinti wurde außerdem noch bestritten: Der Kommentar zum Entschädigungsgesetz legte fest, dass jegliche Verfolgung vor 1943 - bis zu ihrer Deportation nach Auschwitz - ausschließlich aus "kriminalpolitischen Gründen" erfolgt sei. Die Zwangseinlieferungen in sog. "Zigeunerlager" im Deutschen Reich, die Deportationen in das besetzte Polen 1939/40, Zwangsarbeit, Massen-Erschießungen, medizinische Versuche, seien aufgrund der "asozialen Eigenschaften" der Zigeuner" erfolgt.
Am 18. Dezember 1963 revidierte der Bundesgerichtshof diese Entscheidung zum Teil: Roma und Sinti wurde zugestanden, dass in Folge des "Himmler-Erlasses" vom 8. 12. 38, der die endgültige Lösung der Zigeunerfrage "aus dem Wesen der Rasse heraus" ankündigte, "in Einzelfällen" rassenideologische Motive bei der Verfolgung und Ermordung der Angehörigen der Roma und Sinti "mitursächlich" gewesen seien.
Der Bundestag eröffnete nach dieser Revidierung eine erneute Antragsmöglichkeit für diejenigen Verfolgten, die die rassistische Motivation ihrer Verfolgung vor 1943 nachweisen konnten. Die Beweislast lag auf Seiten der Opfer. Eine Mindestzeit in bestimmten offiziell anerkannten Lagern und Ghettos musste nachgewiesen werden - wobei so genannte Zigeunerlager oftmals nicht anerkannt wurden. Ansprüche wegen Gesundheitsschäden aufgrund von Zwangssterilisationen und medizinischen Experimenten wurden abgelehnt. Als Amtsärzte wurden bis in die 60er Jahre ehemalige NS-Ärzte und -Gutachter herangezogen. Behörden und Ämter benutzten die umfangreichen NS-Akten, um die Verfolgung kriminalistisch zu begründen und Entschädigungsansprüche abzuwehren.
Ab 1979 forderte die sich formierende Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma öffentliche Aufmerksamkeit für diese unerträgliche Situation. Mit einem Hungerstreik in der KZ-Gedenkstätte Dachau 1980 wurde die Forderung unterstrichen, die Ritter'schen Rasse-Gutachten und die Akten der Zentralstelle in München an die Betroffenen herauszugeben. Diese Unterlagen wurden schließlich dem Bundesarchiv in Koblenz übergeben.
Die Arbeit der Bürgerrechtsbewegung schaffte es, ein größeres gesellschaftliches Bewusstsein für die Situation der Sinti und Roma zu erreichen. Der Bundestag richtete 1981 einen "Härtefonds" ein, der eine Pauschalentschädigung von bis zu 5.000 DM für bisher nicht entschädigte Verfolgte ermöglichte. 1985 schließlich erfolgte die Anerkennung des Völkermords an Roma und Sinti durch den Bundestag.


Zeuginnenaussagen:

Amalie Schaich: "In Ravensbrück war ich auch Zeuge, wie die SS-Ärzte junge Sinti-Mädchen zwangssterilisiert haben. Sie wurden von den Blöcken abgeholt um ‚operiert' zu werden - das ist abgelaufen wie auf einer Schlachtbank. Die Mädchen haben so sehr geschrieen, dass ich mir die Ohren zugehalten habe, weil eich es nicht mehr ertragen konnte. Das Schlimmste war, dass viele Mädchen jünger waren, als sie sich ausgegeben haben. Wir lebten ja in ständiger Furcht, dass die Kinder erneut ausselektiert und nach Auschwitz zurückgeschickt werden. Von einem Kind, das sterilisiert worden ist, wusste ich, dass es erst sieben Jahre alt war."

Germaine Tillion: "... während einige Deutsche als eine Form individueller Bestrafung sterilisiert werden konnten, waren als Gruppe nur die Zigeunerinnen Gegenstand einer solchen Behandlung, eine nach der anderen - sogar die jüngsten Mädchen."

Zeuge: "So zum Beispiel sterilisierte er (der SS-Arzt Dr. Sonntag) die Zigeunerkinder. Ich hörte das Schreien dieser Kinder zwischen neun und elf Jahren, die nach dieser Sterilisierung starben. Ich selber führte zwei Kinder zwischen neun und elf Jahren, die nach dieser Sterilisierung über die Lagerstraße wankten, auf ihren Block, diese Kinder wurden später (ein bis zwei Tage) tot in ihren Betten aufgefunden."

Eine ehemalige Inhaftierte über den brutalen Alltag im Jugendkonzentrationslager Uckermark: "Bei uns oben waren einige Zigeunerinnen, sehr jung. Da war ein Zwillingspärchen, das sie sehr viel geschlagen haben. Warum? Einfach, weil sie Zigeuner waren (...). Wir haben die Mädchen hier abends beim Duschen gesehen, wie sie grün und blau waren. Vor allem die kleinen Zigeunermädchen, aber auch die anderen."

mh/gv

(Arnold Spitta: Entschädigung für Zigeuner? In: Herbst/Goschler (Hg.): Wiedergutmachung in der Bundesrepublik Deutschland, München 1989; Derselbe: "da muss man wahrhaft alle Humanität ausschalten...". Zur Nachkriegsgeschichte der Sinti und Roma in Deutschland www.lpb.bwue.de/publikat/sinti/sinti7.htm - dort auf der Homepage weitere Literatur)





Vergessene Opfer: Sinti und Roma als Häftlinge in Ravensbrück

"Und die Zigeunerinnen? Tausend täglich, das ist ´ne Menge -
Verschwinden mit Transporten auf Nimmerwiedersehen." (A. Lundholm)

Bis heute gehören Sinti und Roma zu den vergessenen Opfern, obwohl sie ebenso wie die Juden im Nationalsozialismus rassisch verfolgt wurden. Seitens der wissenschaftlichen Forschung wurde diese Gruppe lange Zeit nicht berücksichtigt, obwohl Ravensbrück als Frauenkonzentrationslager für Sinti- und Roma-Frauen aus dem In- und Ausland eine besondere Bedeutung zukommt. Weshalb standen Sinti und Roma so lange im Schatten und gehören zu den von der Öffentlichkeit wenig beachteten Opfern?

1. Die Kontinuität der Tätersicht
In der Nachkriegszeit wurde kaum einer der Verantwortlichen für die NS-"Zigeunerverfolgung" bestraft. Für die Verfolgung maßgeblich verantwortliche RassenhygienikerInnen wie Robert Ritter und Eva Justin übernahmen nach Kriegsende leitende Funktionen in der Fürsorge und der Jugendpsychiatrie in Frankfurt am Main, und dies obwohl sie im "Dritten Reich" nicht nur für die Verfolgung der "Zigeuner" verantwortlich gewesen waren, sondern auch für die Erfassung und Einweisung von "asozialen" Jugendlichen in "Jugendschutzlager" wie Moringen und Uckermark. Sophie Ehrhardt, ebenfalls Mitarbeiterin der "Rassenhygienischen Forschungsstelle", setzte ihre Universitätskarriere am Institut für Anthropologie in Tübingen fort. Mehrere Prozesse gegen diese RassenhygienikerInnen endeten mit Freispruch oder Einstellung der Verfahren. Höhere Polizeibeamte des ehemaligen Reichskriminalpolizeiamtes erhielten in der Bundesrepublik wiederum leitende Posten bei der Kriminalpolizei. Verfahren gegen beteiligte SS-Ärzte wurden eingestellt. In "Wiedergutmachungsverfahren" saßen die Betroffenen oft ihren VerfolgerInnen gegenüber, die wiederum als GutachterInnen oder ZeugInnen gegen sie auftraten. Von der Polizei und RassenhygienikerInnen in der NS-Zeit angelegte Akten, in die die Betroffenen ihrerseits keine Einsicht erhielten, wurden zur Beurteilung herangezogen. Hinzu kam, dass die Opfer die Haftzeiten nachweisen mussten. Da vielen während der NS-Herrschaft die Papiere abgenommen worden waren, konnten die erforderlichen Dokumente nicht erbracht werden. Diejenigen, denen im Nationalsozialismus die Staatsbürgerschaft aberkannt worden war, verweigerten die Behörden die Wiedereinbürgerung mit dem Verweis auf fehlende Papiere.
Dem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) vom 7.1.1956 zufolge galt nur die Haft in Lagern ab 1943 als rassische Verfolgung. Unterstützt wurde die Einstufung der NS-"Zigeunerverfolgung" als kriminalpräventive Maßnahme durch die Arbeiten von Hans Joachim Döring und dem Amtsarzt Hermann Arnold, langjähriger Beauftragter der Bundesregierung für "Zigeunerfragen". Arnold publizierte seit den 50er Jahren zahlreiche Arbeiten und Aufsätze, teilweise fußend auf NS-Material, in denen er die Sprache der RassenforscherInnen und ihr Gedankengut übernahm. Noch in den 70ern und zu Beginn der 80er Jahre pflegten SozialarbeiterInnen, Seelsorger und WissenschaftlerInnen, die Konzepte für die Bundesregierung und die Kirchen entwarfen, einen engen Kontakt zu Arnold. Unter dem Deckmantel bemühter ReformerInnen verbarg sich oft rassistisches Gedankengut.
Auch in der DDR hatten Sinti und Roma Schwierigkeiten, eine Ehrenrente als Verfolgte des NS-Regimes zugesprochen zu bekommen. 1963 wurde das BGH-Urteil revidiert, doch erst in den letzten Jahren konnte die Anerkennung für Haftzeiten in den städtischen und kommunalen "Zigeunerlagern" durchgesetzt werden. Manche Sinti und Roma nennen daher die "Wiedergutmachungspolitik" verbittert die "zweite Verfolgung".

2. Die fehlende Lobby
Erst durch die Bürgerrechtsbewegung, aus der die Landesverbände und der "Zentralrat Deutscher Sinti und Roma" hervorgingen, konnten politische Ziele, vor allem hinsichtlich der Anerkennung der NS-Verfolgung, durchgesetzt werden. Im "Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma" wurde 1997 eine Ausstellung über den Völkermord an den Sinti und Roma eröffnet, in der sich auch einige, wenn auch recht kurze, Biographien von Ravensbrückerinnen befinden.

3. Die Ignoranz der Wissenschaft
Lange Zeit war das Thema der nationalsozialistischen "Zigeunerverfolgung" in der Wissenschaft von Ignoranz geprägt. Nun ist die Quellenlage wirklich kompliziert, da zum einen Akten in vielen Archiven verstreut liegen und zum anderen wichtige Bestände nicht mehr überliefert sind. So sind die Akten des Reichskriminalpolizeiamtes nicht mehr erhalten, aber auch viele die "Zigeunerverfolgung" betreffende Akten der regionalen und lokalen Behörden sind während Bombenangriffen verbrannt oder in den letzten Kriegstagen vernichtet worden. Diese Aktenvernichtungsaktionen wurden in der Nachkriegszeit von der Kriminalpolizei, aber auch von der Volkspolizei fortgeführt, wie übrigens in beiden Staaten die eine oder andere Erfassungskartei verschwand.
Die wenigen überlieferten Dokumente sind jedoch auch ein Indiz für die besondere Vehemenz, mit der Sinti und Roma verfolgt wurden. Während bei der jüdischen Minderheit Familienmitglieder durch Auswanderung entkamen, Dokumente, Familienfotos etc. retten konnten, war den meisten "Zigeunern" schon aus finanziellen Gründen die Emigration verwährt. Einige versuchten, sich durch Flucht über die westliche oder östliche Reichsgrenze zu entziehen, wurden aber nach der Besetzung durch deutsche Truppen wieder aufgegriffen, in Konzentrationslager eingewiesen oder von Einsatzgruppen erschossen. Schon ab 1935 waren in vielen Städten so genannte "Zigeunerlager" entstanden, in denen die Betroffenen lagerähnlich interniert waren. Papiere und Dokumente wurden ihnen fortgenommen. Nach der Deportation wurde der Besitz eingezogen und versteigert. Es folgten Stationen durch mehrere Konzentrationslager, so dass die Überlebenden - oft überlebte nur ein Mitglied einer Großfamilie - kaum Erinnerungsstücke retten konnten.
In den letzten Jahren sind eine Reihe wissenschaftlicher Arbeiten zur NS-"Zigeunerverfolgung" erschienen und erfreulicherweise auch einige Lebenserinnerungen von Sinti und Roma. Trotzdem muss konstatiert werden, dass der wissenschaftliche Diskurs, ausgelöst durch die Mahnmaldebatte, eine Art "Rollback" erfahren hat, d.h. längst wissenschaftlich überholte Thesen wieder aufgegriffen werden, die rassische Verfolgung der Sinti und Roma nivelliert bzw. geleugnet wird. In Ausstellungen zum Holocaust im In- und Ausland wird dieser Gruppe, wenn überhaupt, nur mit peinlichen Alibitafeln gedacht.

4. Lagergemeinschaft und Opferverbände
Bisher habe ich nicht den Eindruck gewonnen, dass Angehörige der Sinti und Roma im Nachkriegsdeutschland in den Opferverbänden beteiligt waren. Wurden sie früher überhaupt zu Gedenkfeiern eingeladen?
Diese Gruppe stand im Lageralltag draußen und auch nach der Befreiung blieb sie draußen. Sicherlich erregten die Kinder Mitleid. Häftlinge steckte ihnen Brot zu, versteckten sie oder halfen auf andere Weise. Die Sterilisationen, die an Sinti und Roma, auch an ganz jungen Mädchen vorgenommen wurden, erregten bei vielen Abscheu. Die Lebenserinnerungen von Ravensbrückerinnen sind ansonsten aber meist geprägt von einer großen Distanz, Abgrenzung und negativen Abwertung, die sich festmacht am Aussehen und sozialen Verhalten. Persönliche Kontakte scheinen die Ausnahme gewesen zu sein. Irgendwie war diese Gruppe vorhanden, aber eigentlich kannte man diese Menschen nicht. Die gesellschaftliche Ausgrenzung und die Vorurteile waren auch im Lageralltag virulent. Aber wie hätte die Hölle des Lagers auch eine andere, bessere Welt hervorbringen können?
In persönlichen Gesprächen äußerten sich Ravensbrückerinnen auch anders. Aber hierzu wären Interviews notwendig, um ein differenzierteres Bild zu erhalten. In den letzten Jahren hat sich das Verhältnis der Lagergemeinschaft zu den in Ravensbrück inhaftierten Sinti und Roma verändert. Ein Umdenken hat eingesetzt. VetreterInnen der Sinti und Roma nehmen an den Gedenktagen teil, persönliche Kontakte und Bindungen sind entstanden.

5. Die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück
Die Mahn- Gedenkstätte Ravensbrück hat sich in den letzten Jahren bemüht, auch die Sinti und Roma als Opfergruppe einzubeziehen. So wurde 1995 ein Gedenkraum im ehemaligen Zellengefängnis eingeweiht. Schon zuvor hatten die Biographien von Ceija Stojka und Amalie Schaich in den lebensgeschichtlichen Teil der Dauerausstellung Einzug gehalten. AugenzeugInnen wurden zu Gesprächsrunden eingeladen und eine Sonderausstellung mit Gemälden von Frau Stojka gezeigt. Eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Verfolgung der Sinti und Roma im KZ Ravensbrück steht jedoch bis zum heutigen Tage aus. Zwar wird das Interesse seitens der Gedenkstätte immer wieder bekundet. Aber will sie es wirklich angehen? Ist dieses Thema des Geldes nicht wert?

Barbara Danckwortt

Leiterin des Forschungsprojekts "Sinti und Roma als Häftlinge im Konzentrationslager Ravensbrück" und freie Mitarbeiterin des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg e.V.



Weitere Bücher zum Schwerpunkt:

Anna Mettbach/Josef Behringer, "Wer wird die nächste sein?" Die Leidensgeschichte einer Sintezza, die Auschwitz überlebte, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-86099-163-9. Eindrucksvoll rückt das Buch die Lebensgeschichte der Sintezza Anna Mettbach in den Mittelpunkt. Der Bericht ist ein Mosaikstein, um etwas von dem unermesslichen Leid zu ertragen, das Roma und Sinti im Nationalsozialismus ausgesetzt waren. Zudem gibt das Buch einen exemplarischen Einblick in den ernüchternden Kampf um Entschädigung nach 1945. mh

"...weggekommen." Berichte und Zeugnisse von Sinti, die die NS-Verfolgung überlebt haben.
Am 16. Mai 2000 jährte sich zum 60. Mal die erste Massendeportation von insgesamt 2.500 Sinti und Roma aus dem "Deutschen Reich" in das von den Deutschen besetzte Polen. 35 Zeitzeuginnen und -zeugen berichten in Interviews über die brutale Verschleppung, die grausamen Erlebnisse in den Lagern, die Zwangsarbeit und die an ihnen verübten medizinischen Experimente.
Hrsg. von Daniel Strauß Philo-Verlag, 2000, 276 S., ISBN 3-8257-0172-7

Gilad Margalit: Die Nachkriegsdeutschen und "ihre Zigeuner". Die Behandlung der Sinti und Roma im Schatten von Auschwitz
Gilad Margalit setzt sich in seiner Arbeit mit dem staatlichen und gesellschaftlichen Umgang der im Nationalsozialismus verfolgten "Zigeuner" auseinander. Besonders hervorzuheben ist hier seine systematische Untersuchung gegenüber Sinti und Roma vom Kriegsende bis in die sechziger Jahre. Berücksichtigt werden beide deutsche Nachkriegsstaaten.
Metropol-Verlag, Berlin 2001, 304 S. ISBN 3-932482-38-7

Till Bastian: Sinti und Roma im Dritten Reich. Geschichte einer Verfolgung
Prägnante Überblicksdarstellung: Geschichte der Diskriminierung und Ausgrenzung von Roma und Sinti vom Mittelalter bis in die Gegenwart. "Rassenideologische" Grundlagen der NS-Vernichtungspolitik, Chronologie des Völkermords an Roma und Sinti, Täter- und Vorurteils-Kontinuitäten nach 1945 in der BRD. Verlag C. H. Beck, München 2001, 95 S., ISBN 3-4064-7551-5





zurück zur Auswahl der Schwerpunkte