29. Jahrgang  |   Nr.117  |   Dezember 2003



 

Müttergruppe in Ravensbrück geschändet

Erklärung der LGR/F e.V. zur Schändung des Denkmals

Wir sind entsetzt und empört über die Schändung der Müttergruppe des Bildhauers Fritz Cremer in unmittelbarer Nähe des früheren Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück in der Nacht vom 11. auf den 12. Oktober 2003. Der jüngste Vorfall in Fürstenberg / Ravensbrück ist die Fortsetzung einer Serie rechtsextremer Anschläge. Nach der Schändung des Gedenksteines an der Straße der Nationen und der Zerstörung der Hinweisschilder zum Jugend-KZ Uckermark ist dies der dritte Anschlag allein auf den Gedenkort Ravensbrück innerhalb von wenigen Monaten. Dabei werden die Schmierereien und Provokationen immer dreister. Sie gedeihen in einem politischen Klima, in dem ewig Gestrige mit unverantwortlicher Nachsicht behandelt werden. Wir erinnern an den faktischen NPD-Freispruch durch das Bundesverfassungsgericht oder an die Genehmigung von Naziaufmärschen und deren Schutz durch die Polizei. Heute rächt es sich, dass die Masse der Täter der Jahre 1933 bis 1945 nicht zur Verantwortung gezogen wurde. Sie konnten ungestraft und unbehelligt in der Bundesrepublik Deutschland Traditionen pflegen und ihr braunes Gedankengut weitergeben. Der Schoß war fruchtbar noch und die Saat geht auf.
Es ist höchste Zeit, dass den Umtrieben alter und neuer Nazis und ihrer Organisationen mit Entschiedenheit Einhalt geboten wird. Was muss eigentlich noch passieren, damit Politik, Justiz und Polizei in unserem Lande endlich handeln?
Rosel Vadehra-Jonas Vorsitzende
Die Täter hatten einer der Statuen ein Holzschild mit einem durchgestrichenen Davidstern um den Hals gehängt. Außerdem wurden die Parolen ‚C18' und ‚Tod der ZOG' gesprüht. Das Kürzel ‚ZOG' - eine Abkürzung für ‚Zionist occupied government' (zionistisch besetzte Regierung) - wird im Neonazijargon für staatliche Institutionen verwendet. Die Zahlen- und Buchstabenkombination "C18" steht in der Symbolik der Rechtsextremisten für "Combat 18". Rechtsextremismusexperten vermuten schon länger militante, gewaltbereite Neonazis hinter der Bezeichnung "Combat 18", die als bewaffneter Teil der verbotenen "Blood&Honour" Neonazivereinigung gesehen wird. Trotz dieser Informationen behauptet das Brandenburger Innenministerium nach wie vor, es gäbe keine Organisation dieses Namens, und auch die Aussetzung einer Belohnung von 3000 Euro für die Ergreifung der Täter konnte die Serie der antisemitischen Straftaten nicht zum Abreißen bringen. Ebenso blieben die Anschläge auf Gedenkstätten im Süden Mecklenburg-Vorpommerns und Norden Brandenburgs ohne Aufklärung wie z.B. der Anschlag auf die Gedenkstätte Belower Wald im Sommer 2002. Der Leiter der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten betonte: "Unsere Befürchtung, dass die Kette von Anschlägen weitergeht, hat sich leider bewahrheitet.(...) Man muss annehmen, dass es sich um geplante und zielgerichtete Attacken von rechtsextremistischen Gruppen mit festen organisatorischen und logistischen Strukturen handelt. (...) Wir fordern daher die ermittelnden Behörden auf, alle Anstrengungen zu unternehmen, um die Täter zu fassen und die rechtsextremistischen Strukturen, die hinter ihnen stehen, zu zerschlagen." Schon seit längerem war die Region um Fürstenberg als "ruhiges Hinterland für Neonazis" in die Kritik geraten: " Zum Sammelpunkt für Rechte ist offenbar auch der Fürstenberger Heimatverein geworden. Im Frühjahr trat ein Dutzend Mitglieder aus und übte scharfe Kritik am Vorsitzenden des Vereins, dem ehemaligen Wehrsportgruppenchef Uwe Jürgens"

SH

Quelle TAZ 21.10.03

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