28.Jahrgang  |   Nr.113  |   Dezember 2002



 

Morgen geht es vor Gericht

Ende Januar 1944 - von Hermine Schmidt

Morgen geht es vor Gericht.
Männer da in schwarzen Roben
werden eifern, werden toben.
Uns're Ruhe kommt von oben.

Morgen sprechen sie das Urteil,
und wir sieben sind dabei,
Frauen, ohne Furcht und Tadel,
geben Menschen nicht das Heil.

Mutter, Du und ich, wir beide
werden sicher dann getrennt.
Achtzehn Jahre ist Dein Kind erst,
doch das Grauen es schon kennt.

Mach' Dir keine Sorgen, Mutter.
Du weißt mich in guter Hut.
Wohin immer sie mich bringen,
ich werd's tragen voller Mut.

(Hermine Schmidt ließ sich mit 16 Jahren als Zeugin Jehovas taufen. 1943 kam sie in Danzig in Gestapo-Haft. Am 5. Mai 1944 wurde sie ins Konzentrationslager Stutthof eingeliefert.)
Entnommen aus: Johannes Wrobel, "Meine Mutter hab ich nie wieder geseh'n" - Gedichte über und von Frauen, die als Zeugen Jehovas in Konzentrationslagern und Haftanstalten litten, in: Harder, Jürgen / Hesse, Hans: " ... und wenn ich lebenslang in einem KZ bleiben müßte ...", a.a.O., S. 243ff.

zurück zum Inhaltsverzeichnis