
32. Jahrgang Nr. 128 September 2006
Editorial
Ein altes Sprichwort besagt: "Ein guter Freund beweist sich in der Not." Wir sagen: Eine gute Freundin erst recht.
Die oft überlebenswichtigen Freundschaften im Lager waren lange Zeit kaum ein Thema für die breitere Öffentlichkeit.
Wir fanden, dass es unbedingt in die rb gehöre und haben deshalb die aktuelle Ausgabe diesem Schwerpunkt
gewidmet. Die Autorinnen beschäftigen sich mit dem Thema sowohl im Kontext von Solidarität und Freundschaft
als auch anhand berührender Beispiele. Auffällig ist bei allen Beiträgen die Internationalität.
Neben diesen Beiträgen bewegt uns auf ganz andere Weise die politische Situation. Um nur einige Fakten aufzugreifen,
seien erwähnt die nach wie vor unsichere Lage der KZ-Gedenkstätte Lichtenburg in Prettin, das drohende finanzielle Aus
der Beratungsstellen für Opfer rechtsmotivierter Gewalttaten in den östlichen Bundesländern, ein politischer
Prozess gegen junge Antifaschistinnen und Antifaschisten in Potsdam, das Verbrennen des Tagebuchs der Anne Frank in
Pretzien (Sachsen-Anhalt) sowie die skandalöse Rede des stellvertretenden Kulturstaatsministers Hermann Schäfer zur
Eröffnung des Kunstfests in Weimar. Was soll man von einem Geschichtspolitiker halten, der in Weimar auf einer
Veranstaltung "Gedächtnis Buchenwald" spricht und das Konzentrationslager, in dem insgesamt eine Viertelmillion
Menschen aus ganz Europa inhaftiert waren, mit keinem Wort erwähnt? Das alles beunruhigt uns, und wir werden uns
auch weiterhin dieser Probleme annehmen.
Allen, die uns per E-Mail erreichen wollen, sei die neue Adresse mitgeteilt: ravensbrueck@web.de
Wie immer verweisen wir darauf, dass namentlich gekennzeichnete Artikel nicht unbedingt der Meinung des LGRF-Vorstandes
und des ravensbrückblätter-Redaktionsteams entsprechen müssen.
das rb-Team
Schwerpunkt der Ausgabe 4/2006: Kinder von KZ-Häftlingen
Ein eigener Raum, eine eigene Zeit
Der Wunsch nach Freundschaft und Intimität im Konzentrationslager
Im November 2004 fand in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück ein Internationaler
Workshop zum Thema „Freundschaften in der Hölle. Überlebensstrategien im Frauenkonzentrationslager
Ravensbrück 1939–1945“ statt. Schwerpunkt der Veranstaltung bildeten im Lager unter Extrembedingungen
geschlossene Freundschaften zwischen Häftlingsfrauen, intensive Verbindungen zwischen Angehörigen
unterschiedlicher Nationalitäten, Berufe, sozialer Herkunft, unterschiedlicher politischer Auffassungen
und Generationen. Neben all den Belastungen des Lagers entstanden in Ravensbrück auch zahlreiche
Freundschaften, die oftmals ein Leben lang hielten. Doch wurden diese freundschaftlichen Beziehungen bisher
kaum in der Forschung berücksichtigt. Der Workshop „Freundschaften in der Hölle“ bot erstmals ein
Forum, sich über dieses Thema auszutauschen, es entwickelte sich ein konstruktiver Dialog zwischen
ehemaligen Häftlingsfrauen, ihren Kindern und Enkeln und auch Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen.
Als Referentin war ich zum Workshop eingeladen, um über „Kunst und Musik als Freundschaftswerk“ zu sprechen.
Denn bei meiner wissenschaftlichen Studie zum Thema Musik als Überlebenshilfe in Ravensbrück stieß
ich fast wie von selbst auf Freundschaften zwischen Häftlingsfrauen, die zusammenhielten und zusammenhalten
mussten, wenn sie sich heimlich kulturell betätigen wollten. Der vorliegende Beitrag ist eine
überarbeitete Fassung meines Vortrages auf diesem Workshop.
Kameradschaft - Freundschaft - Solidarität
Zunächst möchte ich kurz erläutern, warum ich die Beziehungen zwischen Häftlingsfrauen
vorwiegend als freundschaftliche bezeichne, hingegen das häufig in Überlebensberichten zu findende
Wort Kameradschaft selten benutze. Der Begriff Kameradschaft stammt aus dem Männerkontext des Militärs
und meint ursprünglich eine soldatische Gemeinschaft. Meines Erachtens trifft er daher die Beziehung
zwischen zwei oder mehreren Frauen nicht genau. Laut Definition des Internet-Lexikons Wikipedia bezeichnet
Kameradschaft eine soldatische Gemeinschaft. Insbesondere bedeutet dies die Pflicht jedes Soldaten, seinem
Kameraden unter allen Umständen, auch unter Lebensgefahr, beizustehen. Das besondere an der soldatischen
Kameradschaft ist, dass sie nicht an persönliche Verbundenheit im Sinne von Freundschaft, Kumpelei oder
Ähnliches gebunden ist, sondern von jedem Soldaten als Dienstpflicht gefordert wird. Im Konzentrationslager
sprachen sich die Häftlinge mit Kamerad an, was offenbar von weiblichen Häftlingen übernommen wurde.
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| Amitié(Freundschaft) aus "Zeugnisse" von Violette Lecoq |
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„Meine liebe Titoline“
Mara Čepič und Rosa Jochmann, eine Freundschaft in Briefen
Mara Čepič und Rosa Jochmann lernten sich Ende 1941 im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück kennen.
Mara Čepič war Anfang November 1941 von Maribor/slowenische Steiermark nach Ravensbrück deportiert worden.
Nach einer kurzen Zeit im Zugangsblock verlegt sie die Lagerleitung in den Block 1, in dem Rosa Jochmann
Blockälteste war. Zu den Hintergründen schrieb sie: „In den Block 1 kam ich sofort nach einer Woche,
weil eine deutsche Kommunistin im Empfangsbüro in meiner Akte den Hinweis ‚KPJ’ gesehen hatte und sofort
arrangierte, dass sie mich auf ihren Block verlegten, den so genannten Block 1.“
Rosa Jochmann (geb. 1901) wurde 1940 ins KZ Ravensbrück gesperrt. Sie blickte da bereits auf ein politisch
aktives Leben als engagierte österreichische Sozialdemokratin und Gewerkschafterin zurück. Nach wenigen
Wochen im KZ Ravensbrück wurde sie die Blockälteste des so genannten „Musterblock 1“ (später Block 3).
Gemeinsam mit anderen gelang es ihr, dass in diesem Block bald überwiegend deutsche und österreichische
politische Häftlinge zusammen untergebracht waren. In der Position der Blockältesten blieb sie bis
zum Frühjahr 1943. Die Denunziation einer Mitgefangenen, laut der sie mit einem selbst gebastelten Gerät
Radionachrichten hörte, hatte zur Folge, dass sie monatelang in den Bunker gesperrt sowie als Blockälteste
abgesetzt wurde.
Mara Čepič (geb. 1895) war bereits seit 1937 eines der wenigen weiblichen Mitglieder der damals in Jugoslawien
verbotenen Kommunistischen Partei. Von Beruf war sie Fremdsprachen- und Musiklehrerin. Sie war geschieden und
lebten mit ihren drei Söhnen alleine. Vor dem Zweiten Weltkrieg war sie mehrfach als Sängerin
(sie sang Mezzosopran) aufgetreten. Neben etlichen anderen Sprachen, beherrschte sie auch das Deutsche nahezu perfekt.
Diese beiden Frauen entwickelten während ihrer Haftzeit im KZ Ravensbrück trotz einiger biographischer
und politischer Unterschiede eine enge Freundschaft, die sie in der Nachkriegszeit bis zum Tode Mara Čepičs
im Jahr 1982 in regelmäßigen Briefen und gelegentlichen Treffen fortsetzten. Sie schrieben
sich über alltägliche Begebenheiten ebenso wie über politische Ereignisse, einen besonderen
Raum nahmen dabei rechtsextreme Tendenzen in Europa ein. Auch berichteten sie einander von kulturellen
Veranstaltungen und besuchten Ausstellungen. Sie schrieben sich auch über erfreuliche sowie weniger
erfreuliche Angelegenheit um ehemalige Mitgefangene. Zum Beispiel besprachen sie schriftlich, wie einer
ehemaligen slowenischen Blockältesten, die im Nachkriegsjugoslawien von ihren früheren
Mitgefangenen für ihr angeblich nicht korrektes Verhalten im KZ übel angegriffen wurde, zu
helfen wäre. Mara Čepič schrieb in diesem Zusammenhang an Rosa Jochmann: „Rosl, ich kann nicht
verstehen, dass es Menschen gibt, die andere so bewusst ins Unglück stürzen.“ Abschließend
bittet Mara Čepič sie: „Und darum, liebe Rosl, schreibe eine kurze Bestätigung, dass du niemals
gehört hast, dass sich Mici Vovk unanständig benommen hätte, da Du ja auch Blokova warst,
und dass bestimmt gewusst hättest oder so ähnlich.“
Auch an familiären Ereignissen im Leben der jeweils anderen nahmen sie regen Anteil. Eine unbeteiligte
Leserin spürt sofort den hohen Grad an Vertrautheit und das tiefe Verständnis zwischen beiden Frauen,
dass in der Extremsituation Konzentrationslagerhaft entstanden war. So schrieb Rosa Jochmann im Jahr 1972
an Mara Čepič über die Folgen der Lagerhaft: „Ja, unsere Herzen streiken alle, denn sie wurden zu sehr
beansprucht und das was wir nach 1945 erlebten, war sehr selten Grund dazu, dass wir uns freuen konnten […].
Du hast recht, man gibt uns den guten Rat, dass wir vergessen sollen, oft aber genügt ein Ton, eine
Stimmung am Firmament, eine Stimme, ein Blick, der Gang eines Menschen, irgendeine Kleinigkeit und schon
ist man wieder dort in Ravensbrück, wir sind für immer Verurteilte und können uns selbst
nicht freisprechen.“
Wie groß das Vertrauen und auch die Anteilnahme zwischen ihnen waren, wird besonders deutlich in Briefen,
die nach dem Tod von Cilly Herten, der langjährigen Freundin von Rosa Jochmann gewechselt wurden.
Auch diese Freundschaft bestand seit der Zeit im KZ Ravensbrück. Im Jahr 1975 schrieb Rosa Jochmann an Mara Čepič:
„Auch dass hattest du erkannt, ich habe am Semmering meine beste Rolle gespielt, denn in mir sah es
anders aus, aber das konnte ich doch nicht zeigen und außerdem wusste ich, dass Cilly es
hätte haben wollen, dass ich stark bleibe und so habe ich mich selbst gewundert, dass
es gelungen ist.“ Wie weit das Verständnis für einander reichte, zeigt der Brief
nur einen Absatz später, wenn Rosa Jochmann weiter schreibt: „Aus Deinen Briefen wusste ich ja,
das auch du schwere Sorgen zu tragen hast und auch Du hast uns nur eine lachende Titoline gezeigt,
nach dem Grundsatz (er galt wohl für uns beide) ‚ich habe oft gelacht, um nicht zu weinen’ […].“
Die Briefe zeigen einmal mehr, dass die im Lager über nationale und politische Grenzen hinweg entstandenen
Freundschaften mitunter ein Leben lang bestanden hatten. Aus dem Nachlass von Mara Čepič ist ersichtlich,
dass sie mit vielen ehemaligen Mitgefangenen in regelmäßigem Briefkontakt stand. Mit diesen
unzähligen Brieffreundschaften war sie sicherlich keine Ausnahme. Umso bedauerlicher erscheint es
mir, dass sich diese internationalen Freundschaften, die aufgrund gemeinsamer Erlebnisse im Lager
entstanden sind, nicht deutlicher in den veröffentlichten Erinnerungen widerspiegeln. Diese
sind häufig, wie zum Beispiel bei Rosa Jochmann und bei Mara Čepič, ohne die namentliche Nennung
von Mitgefangenen. Trotz der häufig postulierten Internationalität bleiben Veröffentlichungen
viel zu oft in einem nationalen bzw. staatlichen Raster und namentlich genannt werden da ausschließlich
Frauen der eigenen Nationalität bzw. Staatangehörigkeit. Obwohl die vielen langjährigen
Brieffreundschaften da eine deutlich andere Sprache sprechen.
Silvija Kavčič
Die Autorin ist promovierte Historikerin mit den Forschungsschwerpunkten: Südost- und Osteuropäische
Geschichte, das System der Konzentrationslager, Europäische Nachkriegsgeschichte,
Biographie- und Genderforschung.
Ihre Dissertation erscheint 2006 unter folgendem Titel: „Überleben und Erinnern.
Slowenische Häftlinge im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück“ beim Berliner Metropol-Verlag
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„Ich hatte Glück!“
Drei Freundinnen fürs Leben:
Irmgard Konrad, Margita Schwalbová und Marie-Claude Vaillant-Courturier
Irmgard Adam wurde am 14. November 1915 in Breslau geboren. Früh war sie bei den „Arbeiterkinderfreunden“, dann bei den Roten Falken, beim Sozialistischen Jugendverband und schließlich in der Sozialistischen Arbeiterpartei organisiert. In der Arbeiterjugend begegnete sie ihrem späteren Mann Fritz Konrad. 1933 engagierte sie sich in der „Roten Hilfe“ und wurde erstmals von der Gestapo verhaftet. Seit 1935 galt sie als Halbjüdin, ihr Vater war Jude. Ab 1941 musste sie den gelben Stern tragen. Vom „jüdischen Arbeitsdienst“ weg wurde sie im Dezember1942 zur Gestapo vorgeladen. Nach mehreren Wochen Einzelhaft kam sie nach Auschwitz. „...Ich fiel auch unter die Nürnberger Gesetze und ich musste den Judenstern tragen…Und nun hab ich mir das einfach weggemacht und war, wie ich nach Auschwitz kam, ohne Stern. Dadurch kam ich nicht auf den jüdischen, sondern ich kam auf Block 10. Das war der deutsch-politische Block. Ich kriegte nicht die Haare ab, ich wurde nicht tätowiert.“ Sie wurde anfangs als Irmgard Adam ohne den Namenszusatz Sarah geführt. Noch im Winter bekam sie Typhus: „…und wie ich dran war, von der Ärztin untersucht zu werden, und sie sieht meinen Körper, sagt sie, siehst Du die hat den richtigen Flecktyphus…Ich hörte, dass ich Typhus hab und fing an, bitterlich zu weinen. Und sie kam an mein Bett, die Ärztin, die Manzi und sagte: Du hast ein gutes Herz. Das wirst Du überstehen.“ Dies war die erste Begegnung zwischen Irmgard und Margita Schwalbová, die - damals Medizinstudentin – mit einem Transport slowakischer Jüdinnen 1942 nach Auschwitz kam und dort als Häftlingsärztin arbeitete. „…Manzi hat mir dann das Leben gerettet…Sie hat mir zweimal das Leben gerettet…Einmal, wie ich im hohen Fieber(war), wurde sie unruhig. Und von dem bisschen, was sie hatte…gab sie mir ein Herzmedikament, dass ich wieder zu mir kam. Und so hab ich’s überlebt.“ Während Irmgard mit dem Typhus kämpfte, kam ihr Schutzhaftbefehl auf den Namen Irmgard Sarah Adam.
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| Margita Schwalbová und Irmgard Konrad |
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| Marie Claude Vaillant Couturier und Emmy Handke |
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Gratulation an Edith Sparmann
Unsere Kameradin Edith Sparmann wurde am 14. Juni diesen Jahres im Brandenburgischen Landtag mit dem
„Brandenburgischen Verdienstorden“ durch Ministerpräsiden Matthias Platzeck ausgezeichnet.
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| Edith Sparmann bei der Preisübergabe durch Matthias Platzeck |
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Jutta Pelz-Bergt: „Diese Zeit hat uns sehr an einander gebunden“
Immer wenn Jutta Pelz-Bergt von ihrer Zeit „im Lager“ erzählt, womit eigentlich die Zeit in einem Zwangsarbeitslager und drei verschiedenen KZ gemeint ist, hat ihre „Jugendgruppe“ einen zentralen Stellenwert. Die Mädchen aus der Jugendgruppe haben einander viel Kraft gegeben, der Zusammenhalt in dieser Gruppe hat maßgeblich zu ihrem Überleben beigetragen. Natürlich gab es auch Situationen, in denen die Mädchen „Glück im Unglück“ hatten. Dennoch: Es war eine große Ausnahme, dass so viele Mädchen dieser Gruppe die Freiheit erlebt haben, sagt auch Jutta Pelz-Bergt.
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| Ruth L., Jutta, Irene, Sophie in den 80ziger Jahren in Israel |
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| Irene und Jutta Ende der 90 ziger Jahre in Prag |
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Ehrendoktorwürde für Gerlind Schwöbel
Am 13. Juli 2006 ehrte der Fachbereich Evangelische Theologie der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main Gerlind Schwöbel, Pfarrerin i.R. der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, mit der Verleihung der Würde einer Ehrendoktorin der Theologie (Dr. theol. h.c.). Nach der Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande im Jahr 2005 für ihr unermüdliches Engagement zur Öffentlichmachung von Frauen im Widerstand gegen das NS-Regime erfolgte nunmehr die Würdigung des wissenschaftlichen Werkes von Gerlind Schwöbel. In der Ehrenpromotionsurkunde heißt es dazu: "...für ihre Forschungsarbeit, die dem verdienstvollen Ziel gewidmet ist, Menschen und Traditionen, die im Nationalsozialismus bekämpft, unterdrückt oder vernichtet wurden, dem Vergessen zu entreißen, auf diese Weise unser gesellschaftliches, kulturelles und religiöses Gedächtnis vor folgenschweren Lücken zu bewahren und die öffentliche Auseinandersetzung vor allem über Frauen im Widerstand zu fördern."
Schon als junge Pfarrvikarin in den 1950er Jahren und später als Pfarrerin konzentrierte sie ihre Tätigkeit auf Frauenthemen und -biographien. Seit dem Eintritt in den Ruhestand hat die heute 79-Jährige Lebenswege von Frauen erforscht und solche aufgespürt, die als Christinnen Widerstand gegen das NS-Regime leisteten und deren Wege sich im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück kreuzten, die überlebten oder ermordet wurden. Gerlind Schwöbel hat Lebenswege und Gedanken dieser Frauen in Buchform herausgebracht. Einige der Veröffentlichungen sind in mehrfachen Auflagen erschienen, darunter "Leben gegen den Tod. Hildegard Schaeder: Ostern im KZ" und "Ich aber vertraue. Katharina Staritz - eine Theologin im Widerstand". Gerlind Schwöbel gehörte zudem zu den Initiatorinnen der Ausstellung "Christliche Frauen im Widerstehen gegen den Nationalsozialismus", die im Oktober 1998 in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück eröffnet wurde und bis zum Beginn des Jahres 2006 auf Grund ihres Engagements - zusammen mit Elisabeth Pregadier - an 65 Orten innerhalb Deutschlands gezeigt wurde. Die Verleihung der Ehrendoktorwürde war eine großartige Hommage für Gerlind Schwöbel, an der im Festsaal des Campus West etwa 300 Gäste teilnahmen.
Sigrid Jacobeit
Fürstenberg/Havel
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Nichts Neues über die "Lichte"
"Die KZ-Gedenkstätte Lichtenburg ist in ihrem Fortbestand weiterhin hochgradig gefährdet. Das ist ein Skandal und auf keinen Fall hinnehmbar. Und die Zeit ist in diesem konkreten Fall wahrlich nicht endlos, sie drängt und läuft uns im Galopp davon! Und wenn es für die Gedenkstätte in Prettin überhaupt noch eine Zukunft geben kann, ist unverzügliches und verantwortungsvolles Handeln der Landesregierung erforderlich und notwendig. Und das heißt auf den Punkt gebracht: Der dauerhafte Erhalt der KZ-Gedenkstätte kann ausschließlich nur durch eine Übernahme in die Trägerschaft des Landes Sachsen-Anhalt gewährleistet werden. Und diese Übernahme ist wiederum unabdingbare Voraussetzung für die direkte, tatsächliche Aufnahme und Eingliederung in die Gedenkstättenstiftung des Landes." Soweit Gudrun Tiedge von der Linkspartei.PDS in der Debatte des Landtages Sachsen-Anhalt am 06. Juli zum Tagesordnungspunkt 12: " Übernahme der KZ-Gedenkstätte "Lichtenburg" in Prettin in die Trägerschaft des Landes.
Wir erinnern uns: Die Aufnahme der KZ-Gedenkstätte Lichtenburg in das vom Landtag im Februar 2006 beschlossene Gedenkstättenstiftungsgesetz des Landes, das am 1. Januar 2007 in Kraft tritt, geschah vor allem auf Drängen der Opferverbände, des Zentralrates der Juden in Deutschland sowie der Linkspartei.PDS. Doch das Gesetz hat einen Haken: Voraussetzung ... ist die Übernahme ... in Landesträgerschaft. Diese Übernahme jedoch ist noch immer ungeklärt. Und wenn sie bis Jahresende ungeklärt bleibt, ist der Platz der Lichtenburg im Stiftungsgesetz hinfällig. Bereits am 16. Juni 2006 hatte die 2. Lichtenburgkonferenz in Prettin mit aller Schärfe auf den Ernst der Lage verwiesen. Auch deshalb brachte die Linkspartei.PDS folgenden Antrag in den Landtag ein:
“... Die Landesregierung wird diesbezüglich aufgefordert, die Übernahme durch zügige Vertragsverhandlungen mit dem Bund umgehend zu realisieren.
... Die Landesregierung hat dafür Sorge und Verantwortung zu tragen, dass die Gedenkstätte "Lichtenburg" im Jahr 2006 und damit vor ihrer Übernahme in die Trägerschaft des Landes aufgrund der personellen und finanziellen Situation sowie des baulichen Zustandes nicht geschlossen wird.
... Der Landtag von Sachsen-Anhalt fordert die Landesregierung ferner auf, im Zusammenwirken mit dem Bund zeitnah ein tragfähiges inhaltliches, personelles und finanzielles Konzept mit dem Ziel der Sicherung des gesamten Schlosskomplexes zu entwickeln.”
Der Antrag wurde zur weiteren Beratung in den Innenausschuss verwiesen. Es gibt bis zur Klärung der Trägerschaft keine Landesmittel zum Erhalt der Gedenkstätte. Die Stadt Prettin wird wieder einmal allein gelassen.
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Speziallagerhäftlinge tagten in Potsdam
Am 16. August 2006 fand im Potsdamer Rathaus eine von der Konrad-Adenauer-Stiftung ausgerichtete Konferenz unter dem Titel „Zukunft braucht Erinnerung! - System und Wirklichkeit der Speziallager in der SBZ/DDR 1945 – 1950“ statt. Gastredner waren unter anderem die brandenburgische Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) sowie Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU), der anlässlich der Befreiungsfeiern im April 2006 in Sachsenhausen für einen Skandal sorgte, als er im gleichen Atemzug der im KZ von der SS Ermordeten und der Speziallagerhäftlinge gedachte.
Hubertus Knabe, Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, plädierte auf der Veranstaltung in Potsdam dafür, die sowjetischen Speziallager als „Vernichtungslager“ einzuordnen. Im Laufe des Abends wurde der Leiter der Stiftung brandenburgischer Gedenkstätten, Prof. Dr. Günther Morsch, aus dem Publikum heraus als „Kommunistenschwein“ bezeichnet. Inzwischen hat Prof. Morsch rechtliche Schritte unternommen. Ihm war von Gisela Gneist (Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Lager Sachsenhausen 1945 – 1950 e.V.) im Rahmen der Tagung vorgeworfen worden, er habe sich als „Gegner eines würdevollen Gedenkens an die Opfer des sowjetischen Speziallagers offenbart“ und werte diese als Opfer zweiter Klasse gegenüber den KZ-Häftlingen der Nazis.
Der Abend war ansonsten von scharfen Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Strömungen der ehemaligen stalinistisch Verfolgten geprägt. Schönbohm bot an, zwischen den einzelnen Gruppierungen zu vermitteln.
Anna Dost
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Beratungsstellen für Opfer rechtsmotivierter Gewalttaten in den östlichen Bundesländern vor dem Aus
"Ich bin in der Nacht spazieren gegangen. Es war heiß und ich konnte nicht schlafen. Da kam dieser glatzköpfige Mann aus dem Dunkeln und beschimpft mich. Er sagte 'Scheiß-Neger', die anderen Dinge habe ich nicht verstanden. Er war aggressiv. Ich rannte los, ein Auto verfolgte mich." Vor einem Jahr wurde Richard O. aus Togo in Brandenburg von drei Männern in einem Auto verfolgt. Im letzten Moment erreichte er die Flüchtlingsunterkunft. Ein Wachmann kam zu Hilfe, Richard. O. blieb unverletzt. Die Verfolger, drei Männer aus einer nahe gelegenen Ortschaft, wurden von der Polizei gefasst. Noch heute steht Richard O. die Angst in den Augen.. In Kürze wird der Fall vor dem Amtsgericht verhandelt. Eine Anwältin und ein Mitarbeiter einer Beratungsstelle für Opfer rechtsmotivierter Gewalt aus Brandenburg werden Richard O. begleiten. Der Togolese ist froh über diese Unterstützung. Gleich nach dem Vorfall hatte der Opferberater aus Potsdam ihn besucht, ihn bei der Anzeigenstellung unterstützt. Später vermittelte er eine Anwältin und eine Therapeutin, die Richard O. dabei half, das Erlebte zu bearbeiten.
Der Fall hat kein öffentliches Aufsehen erregt. Aber: Über 1.000 Opfer rechtsmotivierter Gewalttaten wurden von den acht Beratungsstellen in den östlichen Bundesländern und Berlin im Jahr 2005 beraten. Insgesamt 614 rechtsgerichtete Gewaltstraftaten mit insgesamt 910 Opfern haben sie im gleichen Zeitraum in Ostdeutschland recherchiert. An der Auswahl der Opfer kann man ablesen, dass die Gewalt zielgerichtet ist. Betroffen sind neben Flüchtlingen mit dunkler Hautfarbe meist Jugendliche, die sich in ihrer Symbolsprache – Kleidung, Haartracht – und ihren Handlungen nicht der rechten Subkultur anpassen oder von ihr abgrenzen. Aber auch Aussiedler oder Obdachlose werden häufig Opfer. Rechte Gewalt ist kein ostdeutsches Phänomen, aber gemessen an der Anzahl der Einwohner ist die Wahrscheinlichkeit, als Flüchtling oder Linker Opfer einer rechtsmotivierten Gewalttat zu werden, in Sachsen oder Thüringen deutlich höher als in Baden-Württemberg oder Bayern.
Seit 2001 wurde dieser Entwicklung mit dem Aufbau eines Netzwerkes spezialisierter Beratungsstellen Rechnung getragen. Finanziert werden die Opferberatungsstellen durch das Bundesprogramm CIVITAS. Neben strukturschaffenden Maßnahmen wurden weitere Mittel für kleine lokale Projekte zur Verfügung gestellt, mit denen demokratische Potenziale gegen Rechtsextremismus und Gewalt gestärkt werden sollen. Die Arbeit der Mobilen Beratungsstellen und der Opferberatungsstellen wurden wissenschaftlich begleitet. Die Ergebnisse sind, trotz der anhaltenden Gewalttaten von Rechts, positiv. Es ist ein professionelles Netzwerk entstanden, das örtlichen Initiativen und Projekten Impulse gibt.
Das Bundesprogramm CIVITAS läuft aber Ende 2006 aus – den erfolgreichen Beratungsstrukturen und zahllosen kleinen Projekte droht damit de facto das Aus. Es soll zwar ein neues Programm aufgelegt werden, ob der eingeschlagene Weg zur Stärkung demokratischer Strukturen weitergeführt werden kann, ist ungewiss. 19 Millionen, so wurde verkündet, sollen für den Kampf gegen Rechts zur Verfügung gestellt werden. So weit, so gut. Nur: Das Programm wird wahrscheinlich nicht vor dem Frühjahr 2007 anlaufen; die professionellen Strukturen werden durch die Unsicherheit und Finanzierungslücke kaum die qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter halten können. Und: Das erfolgreiche Herzstück des CIVITAS-Programms, die Mobilen Beratungsteams und Opferberatungsstellen, werden im Rahmen des neuen Programms keine Förderung mehr erhalten. Für eine weitere Förderung der Mobilen Beratungteams und der Opferberatungsstellen seien nun die Länder zuständig. Dort jedoch fehlt das Geld und teilweise auch der politische Wille, die entstandenen Strukturen zu übernehmen. Zur Zeit wird auf Bundesebene geprüft, ob ein anderer Weg beschritten werden kann. Wird keine Lösung gefunden, werden im Januar 2007 die Mobile Beratungsstellen und die Opferberatungsstellen in den meisten Ländern ihre Arbeit einstellen müssen.
Richard O. weiß nichts von diesen Überlegungen und Auseinandersetzungen. Er ist froh, die Opferhelfer in dem anstehenden Gerichtsverfahren an seiner Seite zu wissen. Dass dies bei einem möglichen Berufungsverfahren, einige Monate später, schon nicht mehr der Fall sein könnte, darauf müssen er und viele andere nun von den Beratern vorbereitet werden.
Dominique John
Koordination Civitas-geförderte Beratungsstellen für Opferrechtsmotivierter Gewalttaten
Chausseestr. 29, 10115 Berlin
Tel:030 24045383
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Reaktionen auf die Rechten in Potsdam
Der Verdacht liegt nahe, dass Potsdam eine der im Osten typischen no-go-areas/national befreiten Zonen sei. Doch dies ist nicht der Fall. Potsdam weist einen für ostdeutsche Verhältnisse hohen AusländerInnenanteil auf. Die linke Szene und engagierte Einzelpersonen begründeten eine Reihe antirassistischer Projekte, die die Isolierung von AsylbewerberInnen durchbrechen. Durch die teilweise bis heute (wenn auch nur noch rudimentär) das Stadtbild prägende linke Szene wurde auch die Etablierung einer rechten Hegemonie auf der Straße lange Zeit behindert. Dies erklärt auch eine Besonderheit im Vergleich mit vielen anderen Orten in Ostdeutschland. Rechtsextrem motivierte Überfälle treffen auch in Potsdam alle üblichen Zielgruppen, auffallend häufig jedoch Linke. Zu konstatieren ist, dass die Täter (und Täterinnen) rechter Gewalttaten häufig nicht in Parteien oder Kameradschaften organisiert sind und nur selten über geschlossene und konsistente politische Vorstellungen verfügen. Rechtsextreme Strukturen sind deshalb oft viel schwächer ausgeprägt, als die Statistik der Gewalttaten vermuten lässt. Gewalttaten lassen sich so sehr einfach als „bar jedes politischen Hintergrundes“ darstellen.
Die Bekämpfung und Verhinderung rechter Straftaten besteht darin, AnhängerInnen rechter Ideologiefragmente durch eine autoritäre, extrem deutschnationalkonservative Politik an den rechten Rand der CDU zu binden, um sie so „in die Gemeinschaft der Demokraten“ zu integrieren. Wird die Ebene individueller Gewalt verlassen und erreichen neonationalsozialistische Gruppen ein Organisationsniveau, das militante Aktionsfähigkeit und propagandistische Ausstrahlungswirkung zeitigt, wird mit Polizeieinsätzen und Verbotsverfügungen hart zugeschlagen, was wiederum als Beweis für den konsequente Kampf der Landesregierung gegen Rechtsextremismus gewertet wird.
Die aktuelle Situation in Potsdam ist das Resultat von Ereignissen der letzten zwei Jahre: Am 30.10.2004 plante der Hamburger Neonazi Christian Worch einen Aufmarsch durch die Potsdamer Innenstadt. Während eine von Stadtverwaltung, Parteien und Kirchen organisierte Gegenkundgebung mehr als einen Kilometer von der Aufmarschroute der Nazis entfernt stattfand , blockierten mehrere hundert Menschen unterschiedlichen politischen Hintergrunds und Alters erfolgreich den Weg der Neonazis ins Stadtzentrum. Am Rande dieser Blockade kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und AntifaschistInnen. Diese Ereignisse hatten Konsequenzen: Die OrganisatorInnen der städtischen Kundgebung wurden dafür kritisiert, dass sie der Konfrontation mit den Neonazis aus dem Weg gingen und diesen die Route durch die Potsdamer Innenstadt ermöglichen wollten. Sie reagierten darauf und blockierten bei Worchs nächstem Versuch durch Potsdam zu ziehen (5.11.2005) mit einer städtischen Gegenveranstaltung. Gleichzeitig wurde intensiv nach Beteiligten an den Auseinadersetzungen am 30.10.04 gefahndet und eine Vielzahl von ihnen verurteilt. Im Jahr 2005 verbündeten sich jedoch Mitglieder verbotener Berliner Nazigruppen, die vor dem erhöhten Repressionsdruck in Berlin auswichen, mit der Potsdamer Anti-Antifa. Folge dieser Kooperation war eine Serie von Gewalttaten. Höhepunkt derselben war der Überfall auf den Antifa-Referenten des Freien Zusammenschlusses der Studierendenschaften und seinen Begleiter.
Am 7. August begann am Landgericht Potsdam der Prozess gegen fünf junge AntifaschistInnen. Ihnen wird zur Last gelegt, in der Nacht vom 18. auf den 19. Juni 2005 einem stadtbekannten Neonazi eine vier Zentimeter lang Platzwunde zugefügt zu haben. Die Potsdamer Justiz nutzte die Gelegenheit zu einem Justizskandal. Der für sein rabiates Auftreten bekannte Staatsanwalt Petersen ermittelte gegen die fünf Antifas wegen versuchten Mordes. War in diesem Fall schon die Mordbehauptung hochgradig abenteuerlich, so setzte die Konstruktion des Mordmerkmals dem Ganzen die Krone auf. Versuchter Mord läge vor, weil die Beschuldigten aus niederer Gesinnung gehandelt hätten. Die „antifaschistische Gesinnung“ der Beschuldigten propagiere die Tötung von Nazis, strebe diese an, heiße sie für gut und sei mithin als eine niedere zu betrachten. Leider stieß diese Behauptung auf keinen Widerspruch bei der Ermittlungsrichterin. Eine Angeklagte saß fünf Monate und fünf Tage in Untersuchungshaft.
Schnell gründete sich ein Soligruppe für die Beschuldigten, um die Gefangene aus dem Knast zu holen, den beängstigenden, mit hoher Haftstrafe drohenden Tatvorwurf zu dekonstruieren und der Kriminalisierung antifaschistischen Engagements Widerstand entgegen zu setzen. Unterstützung erfuhr die Soligruppe dabei von Überlebenden der KZ, KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen, Landtagsabgeordneten und vielen anderen mehr. Ihre Solidarität half und hatte Erfolg. Nach fünf Monaten und fünf Tagen wurde die Antifaschistin ohne nähere Begründung aus der Untersuchungshaft entlassen. Anfang diesen Jahres wurde der Tatvorwurf auf gefährliche Körperverletzung abgesenkt. Die Arbeit der Soligruppe – und die dringende Notwendigkeit der Unterstützung dieser Arbeit – hat sich damit aber noch nicht erledigt. Zum Beispiel wurde die Behauptung, Antifaschismus sei eine niedere Gesinnung, öffentlich immer noch nicht zurückgenommen worden. Es ist enorm wichtig dafür zu sorgen, dass sich derartige Versuche, Antifaschismus zu verleumden und zu kriminalisieren, nicht wiederholen. Auch wenn die Solidaritätskampagne für die fünf Antifas das schlimmste verhinderte, so hat das Verfahren antifaschistisches Engagement in Potsdam in starkem Maße gehemmt. Und das zu einer Zeit, in der – wie die brutalen Überfälle auf den Antifa-Referenten des fzs, den Agraringenieur Ermyas M. oder eine Berliner Hochzeitsgesellschaft zeigen – antifaschistisches Engagement dringend nötig ist.
Vera Dost/Hannes Püschel
Die Betroffenen sind weiter auf finanzielle Unterstützung angewiesen.
Spenden bitte auf das Konto der:
Rote Hilfe e.V. Potsdam
Postbank Stuttgart, BLZ: 600 100 70
Kontonummer 151907703, Verwendungszweck: soligruppe.
Aktuelle Informationen gibt es unter www.soligruppe-potsdam.de.
Die Soligruppe ist unter folgender Adresse erreichbar: Soligruppe Potsdam, Lindenstr. 47, 14467 Potsdam
oder soligruppe-potsdam@gmx.net.
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Erzählung über das Konzentrationlager
Um gleich allen Missverständnissen vorzubeugen: Dieses Buch erhebt keinerlei Anspruch darauf, eine pädagogische Handreichung zu sein. Christian Gudehus geht in seiner Studie der Frage nach, wie Führungen in Gedenkstätten strukturiert sind und was sie erzählen. Begriffen wird die Führung von ihm nicht als pädagogische Veranstaltung, sondern als „Ort des kulturellen Gedächtnisses“ (S. 41). Führungen sind in den meisten Gedenkstätten zur nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung das beliebteste Medium, mit dem ein Besuch an der Orten der Verbrechen beginnt. Umso erstaunlicher ist es, dass erst jetzt jemand kritisch danach fragt, welches Geschichtsbild hier vermittelt wird. Gudehus interessiert sich neben dem, was erzählt wird, auch für die Auslassungen. „Was sie [die Guides] in welcher Weise erzählen und welches Bild der Vergangenheit und der zeitgenössischen Gesellschaft dabei konstruieren, ist Gegenstand dieser Arbeit“ (S. 8). Der Autor folgt hier völlig zu Recht der Annahme, dass das Erzählen über Vergangenheit, in diesem Fall die nationalsozialistische Vergangenheit, Auswahlprozessen unterworfen sei. Als Analysematerial benutzte der Autor Audioaufnahmen von Führungen aus den Gedenkstätten Ravensbrück, Dachau, Neuengamme und dem Haus der Wannsee-Konferenz. In einem weiteren Schritt kontrastiert er seine Ergebnisse mit denen der Tradierungsforschung (Harald Welzer). Herausgekommen ist ein spannendes und gut lesbares Buch, dem viele Leserinnen und Leser aus der „Gedenkstättenszene“ zu wünschen sind.
Im ersten Teil des Buches beschreibt Christian Gudehus sein methodisches Rüstzeug: „Annäherung an die Führung“ nennt er sein erstes Kapitel. Im zweiten methodischen Kapitel setzt sich der Autor mit „Gedächtnis und Tradierung“ auseinander, um danach die von ihm aufgezeichneten und transkribierten Führungen vorzustellen und auf bestimmte Topoi hin zu untersuchen, z. B. die Deutung des Holocaust, die Akteure (werden die Täter beim Namen genannt, wird verallgemeinernd von „den Deutschen“, „den Nazis“ usw. gesprochen), wie und mit welcher Intention werden Brücken zur Gegenwart geschlagen, sind diese enthistorisierend?
An einigen Stellen fühlte ich mich, die ich selbst schon als Guide gearbeitet habe, ertappt. Mit anderen Worten: Im besten Fall weiß man selbst sehr wohl um die Intention, die man seinen Erzählungen gibt, auch wenn Führungen immer einer Dynamik der Gruppen- und Kommunikationssituation unterworfen sind. Gudehus zitiert hier einen Guide aus Neuengamme, der nicht nur die „Wissens – und Rollenautorität“ des Guides problematisiert, sondern auch den Duktus, nämlich dass sich diese – moralisch gesehen – auf der „richtigen Seite“ wähnen (S.23). Gudehus spricht von Angemessenheit (S. 25). Es gibt also ein Wissen um das „richtige Sprechen“ (S.27), und den Versuch, eine der normativ gesetzten Aufgaben der Gedenkstätten, nämlich das „Lernen aus der Geschichte“ umzusetzen. Gleichzeitig aber bestehen – und auch das zeigt der Autor – sehr unterschiedliche Vorstellungen darüber, was denn, um aus der Geschichte lernen zu können. erzählt werden muss. Die Führungserzählungen der Guides weisen demnach auf vielschichtige Interpretationen hin.
Dass sich nun jemand kritisch damit auseinandersetzt und damit mit Gewissheit nicht nur auf ein positives Echo stoßen wird, macht die Dringlichkeit klar, sich mit einem Herzstück der Gedenkstätten, nämlich den Führungen, auseinanderzusetzen. Zu befürchten ist, dass das Buch – gerade weil es sich aus einer wissenschaftlichen Distanz, die manche gar schon als illoyal empfinden könnten – auf eine reflexhafte Verweigerung trifft. Spannender ist aber sicher eine kritischen Auseinandersetzung der Gedenkstättenmitarbeiterinnen und –mitarbeiter sowie dem erweiterten Umfeld dieser Orte mit den Ergebnissen dieser Studie.
Veronika Springmann
Christian Gudehus, Dem Gedächtnis zuhören. Erzählungen über NS – Verbrechen und ihre Repräsentation in deutschen Gedenkstätten,
Essen (Klartext Verlag) 2006, ISBN 3-89861-568-5, 21,50€.
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Antifa-Kurznachrichten
FIR tagte in Brüssel
Mehr als 60 Delegierte aus 17 Ländern Europas, Israel und den USA haben vom 10. bis 13. Mai an der Konferenz der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) in Brüssel teilgenommen. Im Mittelpunkt der Tagung unter dem Titel „60+1 Jahre Antifaschismus in Europa“ stand das Erinnern und Handeln gegen Neofaschismus und rassistische Gewalt. Auf Einladung der parlamentarischen Gruppe GUE/NGL tagte die Konferenz im Europaparlament.
Im einzelnen ging es um die Bewahrung der Erinnerung an den antifaschistischen Kampf und die Zurückweisung aller geschichtsrevisionistischer Verfälschungen sowie die Fortsetzung der Arbeit in den Gedenkstätten, wenn die Überlebenden nicht mehr als Zeitzeugen zur Verfügung stehen. Thematisiert wurden ferner die Auseinandersetzung mit Neofaschismus, Rechtspopulismus und faschistischer Gewalt in den verschiedenen Ländern und die Gewinnung Jüngerer zur Übernahme des Staffelstabes der Erinnerung. „Hier wurde nicht über die Jugend, sondern mit der Jugend gesprochen“, betonte FIR-Generalsekretär Ulrich Schneider.
Am Vortag der Beratung besuchten die Delegierten die Gedenkstätte des Fort Breendonk und das Museum des jüdischen Widerstandes in Mechelen und legten Kränze zum Gedenken nieder. Am Abend feierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den 55. Jahrestag der Gründung der FIR. „Der politische Gehalt dieser Konferenz belegt die Bedeutung und Lebendigkeit unserer internationalen Vereinigung“, sagte FIR-Präsident Michel Vanderborght. Vereinbart wurde eine Konferenz Ende September in Moskau, eine Beratung zur antifaschistischen Jugendarbeit gemeinsam mit Vertretern des Europaparlaments und die Unterstützung eines internationalen Jugendtreffens in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald im Frühjahr 2007.
(Quelle: www.fir.at)
„Nix gut“ geht in die Offensive
Der wegen des Vertriebes von Anti-Nazi-Symbolen ins Visier der Staatsanwaltschaft geratene Online-Versand „Nix gut“ in Winnenden (Baden-Württemberg) ist in die juristische Offensive gegangen. „Nix gut“-Geschäftsführer Jürgen Kamm erstattete Anzeige gegen vier Staatsanwälte der Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen der „Kriminalisierung von Antifaschisten“ und der Gefährdung von zehn Arbeitsplätzen. Die Durchsuchungsaktion der Staatsanwaltschaft und die Beschlagnahme von rund 15.000 Katalogen habe dem Geschäft massiv geschadet, so der bekennende Punk und Antifaschist Kamm. Allerdings hat die Generalstaatsanwaltschaft nach Mitteilung des Versandes die Anzeige bereits abgeblockt. Im Herbst steht die Verhandlung gegen Kamm beim Landgericht Stuttgart an. Wegen des Vertriebes von Aufnähern, Buttons und T-Shirts mit durchgestrichenen oder zerbrochenen Hakenkreuzen wirft die Staatsanwaltschaft Stuttgart ihm einen Verstoß gegen Paragraf 86a des Strafgesetzbuches vor, der die Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole verbietet.
(Quellen: Agenturen, Spiegel-Online, www.nix-gut.de)
Tagebuch der Anne Frank verbrannt
In Pretzien (Landkreis Schönebeck in Sachsen-Anhalt) haben junge Männer bei einem so genannten Sommersonnwendfest am 24. Juni eine Ausgabe des Tagebuchs der Anne Frank und eine US-Flagge verbrannt. Die Ermittlungen kamen jedoch nur schleppend in Gang – weil offenbar die zunächst mit dem Fall betrauten Polizisten nichts mit dem Werk des jüdischen Mädchens anfangen konnten, das sich zwei Jahre lang in Amsterdam vor den deutschen Nationalsozialisten versteckt hatte, verraten und verhaftet wurde und im Frühjahr 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen starb.
Ob die sechs Beschuldigten wegen Volksverhetzung verurteilt werden, ist ungewiss. Die 21- bis 26-Jährigen schweigen zu den Vorwürfen, und die Befragung von Zeugen gestaltet sich nach Medienberichten ebenfalls schwierig.
Die Sonnenwendfeier hatte der dörfliche Verein „Heimat Bund Ostelbien“ veranstaltet. Der Direktor des Anne Frank Zentrum in Berlin, Thomas Heppener, berichtete nach einer Bürgerversammlung in Pretzien, dass viele Bewohner „das Tagebuch nicht kennen“ und „es keine Auseinandersetzung mit rechtsextremen Positionen gibt und sich nur wenige für eine vielfältige Demokratie einsetzen“. Das Anne Frank Zentrum plant nun die Präsentation seiner Ausstellung „Anne Frank. Eine Geschichte für heute“ in der Kreisstadt Schönebeck.
(Quellen: Die Welt, n-tv.de, Anne Frank Zentrum)
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Für Anni Pröll
(12. Juni 1916 – 28. Mai 2006)
Meine letzte Begegnung mit Anni fand im September 2001 statt - bei der Jahrestagung der LGRF in der Jugendbegegnungsstätte Dachau. Ihr zu Ehren und zur Freude feierten wir an einem Abend ihren 85. Geburtstag nach, es wurden die alten Arbeiterlieder gesungen, gesummt. Es waren die Lieder, die ihre Jugend und ihr späteres Leben begleitet haben.
Meine erste Begegnung: das war im Herbst 1983, als die Frauen der Lagergemeinschaft Ravensbrück in der Bundesrepublik beschlossen hatten, ihre nächste Jahrestagung in Moringen durchzuführen. Das Städtchen Moringen in der deutschen Provinz war durch die Verleugnung der Existenz dreier Konzentrationslager, erst für Männer, dann für Frauen und später für Jugendliche, und durch die ungeheuerliche Behauptung, die wenigen Juden, die dort lebten, seien an ihrer Vertreibung selbst „Schuld“, damals in die Schlagzeilen, natürlich nicht in der BILD, doch bei Monitor gekommen. Angesichts der Widerstände im Städtchen gegen die geplante Jahrestagung beschlossen die Frauen, mit einer biografischen Ausstellung zu Frauen in Konzentrationslagern an die Öffentlichkeit zu gehen. Das hatte es zu diesem Zeitpunkt in der alten Bundesrepublik noch nicht gegeben. Anni gehörte zu den mutigen Frauen, die diesem Plan zustimmte. Aus Briefen, die sie ihrer Kameradin Hanna Elling , die diese Ausstellung betreute, schrieb, erfuhr ich zum ersten Mal Einzelheiten über ihre Verfolgung und die ihrer Familie. Zutiefst beeindruckt hat mich ein Geburtstagsgeschenk, das sie im Juni 1937– nach 21 Monaten der Isolationshaft im Zuchthaus Aichach und anschließender Überstellung in das Frauenkonzentrationslager Moringen - von ihren Kameradinnen im „Bayernsaal“, erhielt: einen Knaurs Weltatlas mit der Widmung: „ Voriges Jahr um diese Zeit – da war es schwarz um Dich ... Dies Buch soll immer Dich an diese Zeit erinnern. Es ist zwar nur zum Zweck des allgemeinen Lernens, doch soll’s an Deinen Aufbau helfen zimmern.“ Dieses Geschenk gehört für mich zu den wichtigen Zeugnissen des Widerstehens unter KZ-Bedingungen.
Es gibt noch eine weitere Begegnung: 2003 war ich mit einer Frauengruppe auf einem Bildungsurlaub in Moringen: U.a. haben wir uns den Film „Anna, ich habe Angst um Dich“ , den ihr Sohn gedreht hat, in der Gedenkstätte im Torhaus angeschaut. Danach gab es lange und intensive Gespräche. Durch die ruhige Kameraführung, nicht unterbrochen durch Fragen, kann Anni ihre Familiengeschichte erzählen: Es ist die Geschichte einer Arbeiterfamilie im 20. Jahrhundert, geprägt von der Utopie eines besseren Lebens in einer sozialistischen Gesellschaft und den vernichtenden Schlägen des Faschismus. In diesem Film bleibt Anni uns Erinnerung . Es sind also noch viele weitere Begegnungen möglich.
Ursula Krause-Schmitt
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Die Ravensbrückerin Doris Bogisch wird 100
„Zum Erinnern an Dich“, so nannte Doris ihre eigenen Zeilen für Rosa Jochmann, die in einem Bändchen, das dieser tapferen Ravensbrückerin aus Österreich gewidmet ist, niedergeschrieben wurden. Heute wollen wir an Dich selbst, liebe Doris, erinnern. Ein solches Jubiläum – 100 - gibt es nur ganz selten und bei Ravensbrückerinnen nur bei sehr wenigen!
Wie gern hätte sich Doris noch mit Ihren Freundinnen Änne Salzmann oder Käthe Jonas getroffen, mit denen sie so viel gemeinsame Arbeit während der Nazizeit, davor und danach verbunden hat!
Als hessisches Arbeiterkind wurde sie am 23. September 1906 geboren. Neben ihren Geschwistern hatte sie eine besonders liebevolle Mutter, die mit ihr viele schwere Jahre teilte. Nachdem sie den Weg in die kommunistische Arbeiterbewegung gefunden hatte, mussten beide oft gefährliche Lebenssituationen meistern. Sie, die immer versuchte, andere zu schützen, musste selbst Verhöre, Prozess, faschistische Gefängnisse und Lager – auch die Lichtenburg und Ravensbrück - kennen lernen. Auch als sie - 1941 amnestiert -aus Ravensbrück entlassen wurde, war für sie die gefahrvolle Arbeit im Widerstand nicht zu Ende. Wieder musste sie fliehen und kam nach Wien, wo ihr Rosa Jochmanns Freunde halfen. Der Kommunistin halfen die Sozialdemokraten.
„Dass ich Dir schreiben kann“, beginnt Doris ihre Erinnerungen an Rosa Jochmann, „verdanke ich Dir ,liebe Rosa, und Deinen Wiener Freunden. Du gabst mir beim Abschied 1941 die Adresse Deiner Schwester Pepperl. Wir hatten dann Verbindung, sodass ich im März 1944 dort illegales Quartier und Heilung fand, einer erneuten Verhaftung entging und am Leben blieb.“ Sie erinnerte sich an den Herbst 1940. als an einem Sonntag im Block 11 ein Theaterstück „von unseren jüdischen Kameradinnen aufgeführt wurde. Es waren kurze Stunden, die uns über all das Schwere hinweghalfen. Aber durch Verrat eines asozialen Häftlings bekamen viele Kameradinnen, die von der Aufseherin benannt wurden, 40 Tage verschärften Dunkelarrest. - Auch unsere Rosl Jochmann, hungernd und frierend in dem grauen Steinblock.
Wir waren machtlos, aber nicht untätig, Solidarität hieß es, und wir taten es für die Rückkehr. Auch unserer jüdischer Block 11 wurde hart bestraft: Fenster vernagelt und Essensentzug. Sie waren von allen ausgeschlossen. Sie hatten ihre Olga Benario-Prestes. Sie gab ihnen M ut und Kraft zum Durchhalten.
Wir fieberten dem Ende, dem 40. Tag entgegen: Am hellen Tag wankten unsere Kameradinnen aus dem Bunker über die Lagerstraße. Rosl war fast blind, schwach, aber ungebrochen. Und wie froh waren alle Kameradinnen auf dem Block wieder ihre Blockälteste zu haben. Rosl gab es Kraft, denn sie verspürte die Blocksolidarität. Weiter tat sie ihre Arbeit., immer bedacht, alles abzuhalten, was den Block in Gefahr bringen könnte. Rosa war eine gute und unerschrockenen Blockova.
Würden die Kameradinnen Tilde Klose, Paula Lohhagen, Maria Fischer und auch noch andere aus dieser Zeit leben, auch sie würden sagen: Rosa Jochmann war eine von den besten Blockältesten in Ravensbrück.
Über die Zeit hinaus, verbunden mit dem Schwur von Ravensbrück, eine liebe Kameradin.
So verbleibe ich auch immer mit Dir, liebe Rosl,
Deine Doris Bogisch.“
Doris überlebte Ravensbrück, die faschistische Diktatur und ging zunächst in ihre hessische Heimat zurück. Jedoch konnte sie auch dort nicht lange bleiben. Später siedelte sie in die DDR über und war eng mit Rosa Thälmann befreundet. Sie nahm an Treffen der Ravensbrückerinnen teil. Ihre Leistungen im Widerstand wurden von der DDR mit hohen Auszeichnungen gewürdigt. Zu Ihrem außergewöhnlichen Jubiläum gratulieren wir Dir von ganzem Herzen und wünschen Dir einen außergewöhnlich, wunderschönen Geburtstag im Kreise der Menschen, die Dich wegen Ravensbrück und allem anderen achten und schätzen.
Bärbel Schindler-Saefkow